Ein Stadtviertel in Mödling, das bis jetzt keine Probleme mit dem Verkehr hatte, wehrt sich gegen neue Mobilitätsmaßnahmen. Fahrradstraßen, Poller, geänderte Einbahnregelungen etc. sollen für mehr Sicherheit sorgen, doch die Anrainer befürchten unter anderem nur eine Verlagerung des Verkehrs.
Großer Unmut herrscht derzeit in Mödling. Die rot-grüne Stadtregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Stadt grüner und fahrradfreundlicher zu gestalten. In den davon betroffenen Vierteln stößt man dabei jedoch auf wenig Begeisterung. Ganze Straßenzüge sollen in Fahrradstraßen umgewandelt werden, zusätzliche Einbahnen entstehen oder werden einfach „umgedreht“ oder wichtige Durchfahrtsstraßen durch Poller „entschärft“, sodass Autos nicht mehr durchfahren können und umdrehen müssen. Das wiederum bedeutet für viele Bewohner zusätzliche Umwege, um zu ihrem Ziel zu gelangen.
Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen „unsinniges Projekt“
Madelaine Wessely und Helmut Posch haben dafür kürzlich die Initiative „Mödling.In.Bewegung“ ins Leben gerufen, um sich gegen diese für sie „unsinnigen Veränderungen“ zu wehren – fast 1000 Bürger haben schon gegen dieses Projekt „Stadt.Rad.Grätzl“ unterschrieben und man sammelt fleißig weiter. Einen ersten Erfolg gibt es bereits: Einer der geplante Poller wurde schon wieder verworfen.

Bürger orten „Profilierung der Grünen“
Wessely und Posch wohnen im sogenannten „Cottage“, einem hübschen Villenviertel zwischen Innenstadt und dem HTL-Areal. „Wir hatten hier nie Probleme mit dem Verkehr oder mit Radfahrern“, betont Wessely. Und: „Das Gegenteil von Verkehrsberuhigung wird mit diesen Änderungen erreicht“. Es wird auch befürchtet, dass in einigen Straßenzügen Parkplätze wegfallen werden, um mehr Platz für Radfahrer zu schaffen. Oder dass sich der Verkehr auf andere Straßen wie beispielsweise die Lowatschekgasse verlagern werde. „Der grüne Stadtrat will sich hiermit nur profilieren und sich ein Denkmal setzen“, haben Wessely und Posch in Verdacht, denn auch in Wien wurden bereits ähnliche Pläne der Grünen realisiert.
Grüne verteidigen das Projekt „Stadt.Rad.Grätzl“
Grünen-Stadtrat Tim Pöchhacker nimmt die Probleme der Anrainer ernst und setzt dabei auf den direkten Dialog, etwa bei Infowalks vor Ort und bei Diskussionsveranstaltungen. „Rund um Volksschule, Kindergarten und Stadtbad sind täglich Hunderte Kinder unterwegs, deren Weg wir absichern möchten“, nennt er als Grund für das ambitionierte Projekt. Ängste, dass es zu einer Verlagerung des Verkehrs kommt oder flächendeckend Parkplätze verschwinden könnten, entkräftet er.
Wir setzen bewusst viele Maßnahmen in flexibler Bauweise um und beobachten die Situation laufend weiter, um bei Problemen jederzeit nachjustieren zu können.

Grünen-Stadtrat Tim Pöchhacker
Bild: ZVG Grüne Mödling
„Einzelne Parkplätze entfallen nur punktuell an Kreuzungen für freie Sichtachsen, mehr Sicherheit und neue Begrünung“, so der Stadtrat. Und er verspricht: „Jedes Grundstück im Grätzl bleibt mit dem Auto erreichbar. Unverhältnismäßige Umwege haben wir bereits in den Plänen versucht zu entschärfen“. Und: „Wir beobachten die Situation im laufenden Betrieb genau und können bei Problemen jederzeit nachjustieren.“
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