Kritik an ÖGB

Auch ohne „Strafe“ steigt Beschäftigung Älterer

Wirtschaft
05.11.2026 21:30

Damit mehr ältere Menschen Chancen am Arbeitsmarkt haben, fordern ÖGB und AK Strafzahlungen für Firmen, die keine oder wenige Ältere beschäftigen. Doch das ist gar nicht notwendig, kritisieren die Wirtschaftsforscher von Agenda Austria. Tatsächlich steigt die Beschäftigungsquote bereits seit Jahren stark.

Gewerkschaft und Arbeiterkammer wollen, dass Firmen je nach ihrer Branche bestimmte Anteile von älteren Mitarbeitern an ihrer gesamten Belegschaft erreichen müssen. Erreichen sie diese Quote nicht, dann sollen sie pro fehlender Person eine Strafsteuer zahlen, die sich am Durchschnittseinkommen in der jeweiligen Branche bemisst. Das würde jedenfalls einige hundert Euro pro Fall ausmachen. Wenn der Betrieb die Quote übertrifft, dann winkt hingegen ein gewisser Bonus.

„In dieser Form Selbstmord“
„In der Form halte ich das für Selbstmord“, warnt Hanno Lorenz, Experte von Agenda Austria. „Der ÖGB glaubt, dass man Wohlstand gewinnt, wenn man Arbeit teurer macht.“ Und solch ein Bonus/Malus-System sei auch gar nicht notwendig, so Lorenz. Tatsächlich ist der Anteil Berufstätiger von 60 bis 64 Jahren nämlich bereits seit Jahren deutlich steigend. Aktuell war im Vorjahr fast jede dritte Frau in dieser Altersgruppe unselbstständig beschäftigt. 2005 waren es erst klar unter 10 Prozent. Speziell mit der jüngsten Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters für Frauen ist der Anteil sofort steil von etwa 20 Prozent auf genau 31,1 Prozent hochgeschnellt. 

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In der Form halte ich das für Selbstmord.

Hanno Lorenz, Experte von Agenda Austria

Schon fast jede dritte Frau über 60 arbeitet
Bei den Männern ist gar fast jeder Zweite (49,3 Prozent) noch im Beruf – ebenfalls Tendenz steigend, seit 2016 die Frühpension eingeschränkt wurde. „Der Trend ist also positiv. Und das trotz des schlechten Zeitpunktes, weil wir seit sieben Jahren kein Wirtschaftswachstum pro Kopf mehr haben.“

Das bestätigt Erfahrungen etwa in Skandinavien, wo es noch viel höhere Erwerbsquoten Älterer trotz steigendem Pensionsalter gibt. „Dann ändert man seine Lebensplanung. Außerdem bleibt den Unternehmen aufgrund des demografischen Arbeitskräftemangels gar nichts anderes übrig, als auf Ältere zu setzen“, erklärt Lorenz. Weitere Haken an der ÖGB-Forderung: „In manchen Bundesländern werden die Unternehmen in gewissen Branchen kaum Arbeitskräfte in der notwendigen Alterskohorte finden. Weiters kommen vielleicht qualifizierte Bewerber bis 59 Jahre nicht hinein, weil die Firma die Strafe vermeiden will.“

Anreize setzen statt Strafe verhängen
Auch bei uns zeigt sich zudem, dass altgediente Mitarbeiter geschätzt werden. Verlieren sie allerdings ihren Job, dann gelingt der Wiedereinstieg kaum noch. Als Abfederung wären daher verstärkte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen für sie sinnvoll, plädiert Lorenz. „Statt einer Bestrafung wäre ein Anreiz besser. Man könnte Unternehmen für eine gewisse Zeit die Sozialversicherungsbeiträge für Ältere erlassen. Dadurch können sich die Mitarbeiter für den Betrieb beweisen.“

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