Forscher: „Vermeidbar“
Impfraten sinken – Masern weltweit auf Vormarsch
Impfskepsis in den entwickelten Staaten der Erde sowie willkürliche Eingriffe in Immunisierungsprogramme, zum Beispiel in den USA, führen zu einer drastisch vermehrten Ausbreitung der Masern. Allein im Jahr 2023 gab es dadurch rund 118.000 Todesfälle. Das hat eine neue Analyse für 204 Staaten der Erde ergeben, die vor kurzem in „Nature Medicine“ erschienen ist.
„Masern zählen weiterhin zu den häufigsten vermeidbaren Krankheiten bei Kindern, insbesondere in einkommensschwachen Ländern. Trotz jahrzehntelanger Fortschritte gibt es Anzeichen für ein Wiederaufflammen der Masern aufgrund stagnierender Impfraten“, schrieben Benn Sartorius, Epidemiologe an der University of Washington, und das aus vielen Dutzend Wissenschaftern bestehende internationale Autorenteam (doi: 10.1038/s41591-026-04661-7).
Einmal erzielte Erfolge kein Garant für weitere Fortschritte
Bis zur möglichen vollkommenen Ausrottung der Masern weltweit, was durchaus möglich wäre und das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist, sind jedenfalls einmal erzielte Erfolge kein Garant für weitere Fortschritte oder auch nur eine gleichbleibende Situation. Die Wissenschaftler: „Zwischen 1990 und 2019 sanken die weltweiten Maserninzidenz- (Häufigkeit pro 100.000 und Jahr; Anm.) und die Masernmortalitätsraten um etwa 80 Prozent bzw. 90 Prozent, stiegen jedoch nach 2020 stark an. Für 2023 wurden 15,6 Millionen Fälle und 118.000 Todesfälle geschätzt (ein Anstieg von 40 Prozent bzw. zwölf Prozent zwischen 2019 und 2023).“
Fakten zu Masern
- Masern werden durch ein Virus ausgelöst, das über die Luft beim Husten oder Niesen übertragen wird.
- Bereits vor dem typischen Masernausschlag sind Infizierte hochansteckend.
- Bei einer Infektion kommt es zu Beschwerden wie Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung.
- Die Abwehrkräfte des Körpers werden bei einer Erkrankung so geschwächt, dass über mehrere Jahre hinweg das Risiko, an einer anderen Infektionskrankheit zu sterben, erhöht ist.
- Besonders gefährdet sind Kleinkinder unter 5 Jahren, Erwachsene über 20, Schwangere und immungeschwächte Personen.
- Masern könnten bei einer Durchimpfungsrate von über 95 % in der Bevölkerung vollständig ausgerottet werden.
Mit etwas Verzögerung folgt die Entwicklung jeweils den Impfraten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert eine Impfquote (zwei Teilimpfungen) von 95 Prozent. Am besten erfolgt die Immunisierung laut Fachleuten schon im ersten Lebensjahr (zweite Impfung nach drei Monaten) mit der Vakzine gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR).
Von diesen Zielen ist die Welt – global gesehen – wieder weiter entfernt. Die Autoren der Studie: „Die weltweite Impfquote für die erste Masernimpfung (MCV1) stieg von 67,2 Prozent im Jahr 1990 auf 83,6 Prozent im Jahr 2019, stagnierte dann jedoch und sank bis 2023 leicht auf 81 Prozent. Die Impfquote für die zweite Masernimpfung (MCV2) stieg von 14,4 Prozent im Jahr 1990 auf 68,4 Prozent im Jahr 2019 und erreichte bis 2023 71,4 Prozent.“ Der zuletzt beobachtete Wiederanstieg der Masernfälle zeige, wie fragil die weltweiten Fortschritte seien.
USA als schlechtes Beispiel – sechs Todesopfer allein in Pennsylvania
Ein besonders schlechtes Beispiel unter den entwickelten Ländern der Erde liefern derzeit die USA ab. Zuletzt gab es den ersten Masern-Todesfall eines Kindes seit 30 Jahren im US-Bundesstaat New York. „Während sich ein monatelanger Masernausbruch im US-Bundesstaat Pennsylvania weiter ausbreitete, meldete das Gesundheitsamt des Bundesstaates am 23. Oktober 1338 Fälle – die höchste Zahl in einem einzelnen US-Bundesstaat seit 1991. Die Erkrankungen führten zu 255 Krankenhausaufenthalten und sechs Todesfällen, zwei davon bei Kindern“, schrieb am vergangenen Freitag die Zeitschrift der US-Ärztegesellschaft.
Weniger als ein Prozent der Fälle traten bei Personen auf, die vollständig mit beiden Dosen des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs (MMR) geimpft worden waren, so die JAMA. „Das ist eine großartige Erinnerung daran, dass es sich um einen äußerst wirksamen Impfstoff handelt“, sagte Logan Grimes, stellvertretender medizinischer Direktor für Infektionsprävention und -kontrolle am Kinderkrankenhaus von Philadelphia (CHOP).
USA könnte bald Status masernfrei verlieren
Da die Impfraten in den USA jedoch sinken, befürchten einige Experten für Infektionskrankheiten, dass große Ausbrüche in einem Land, in dem die Masern vor mehr als zwei Jahrzehnten für ausgerottet erklärt wurden, wieder zur Routine werden könnten. Es wird erwartet, dass die USA noch in diesem November den Status von masernfrei verlieren. Vergangenes Jahr wurden dort 2.300 Masernerkrankungen registriert, zuvor waren es einmal, im Jahr 2019, rund 1300 gewesen. In diesem Jahr haben die US-Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) in ihrem Update vom 23. Oktober landesweit bereits fast 4600 Fälle gemeldet.

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