So wie Bundeskanzler Christian Stocker erst vor wenigen Monaten mit einer großen Wirtschafts-Delegation – gewissermaßen als geopolitischer und ökonomischer Zwerg – das Riesenland Indien besuchte, antichambriert er nun dieser Tage bei der neuen Supermacht China.
EINERSEITS gibt es dem Vernehmen nach seit dem letzten Besuch eines österreichischen Bundeskanzlers, nämlich von Sebastian Kurz, so etwas wie eine strategische Partnerschaft mit Peking. Und unser Land wird aus chinesischer Sicht auch als, wenn auch nur geringfügiger, Teil der neuen Seidenstraße betrachtet.
ANDERERSEITS gilt für Stockers Besuch in China dasselbe wie jüngst für seine Reise nach Indien: Damals sprach der Kolumnist von der Visite der alpenländischen Maus beim indischen Elefanten. Dieses Mal bietet sich das Bild von der Audienz eben derselben Maus beim chinesischen Drachen an. Soll heißen, dass es sich um Staatsbesuche handelt, die – auch wenn Stocker gewiss mit chinesischer Höflichkeit empfangen wird – schlicht und einfach nicht auf Augenhöhe stattfinden.
Nun mag der Kanzler beim Wirtschafts-Riesen China zweifellos als Türöffner für die eine oder andere Wirtschafts-Kooperation dienlich sein können. Aber zu glauben, der Österreicher könne Peking – auch wenn unser Land jetzt im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sitzt – in Sachen Menschenrechte oder Fairness im Welthandel auch nur Vorhaltungen machen, wäre naiv.
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