In unserer neuen „Krone“-Kultur-Serie „Vor den Vorhang geholt“ stellen wir Ihnen Menschen vor, die hinter den Kulissen des Kunst- und Kulturbetriebs unersetzlich sind – zum Auftakt stellen wir Ihnen Volksopern-Inspizientin Celia Tafaj vor!
„Wenn alles gut geht, bemerkt uns niemand.“ Celia Tafaj und ihr Team agieren tatsächlich im Dunklen – und kaum ein Besucher weiß, dass sie bei jedem Stück eine der wichtigsten „Rollen“ spielen: die der Inspizienten.
Gleich hinter dem Vorhang liegt das unauffällige Herzstück jeder Volksopern-Produktion. Tafaj sitzt in einem kleinen Kammerl umgeben von vielen Bildschirmen, Knöpfen und Lichtern – das Inspizienten-Pult. „Von der Kunst bis zur Technik – hier wird alles zusammengeführt“, erklärt sie. „Die Techniker führen die Dinge zwar aus, aber sie wissen nicht genau wann.“ Und genau da gibt die Inspizientin den Takt an. Per Knopfdruck und Funk geben sie u. a. der Lichtregie oder dem Bühnenmeister Zeichen für ihren Einsatz.
Manche brauchen vor dem Auftritt einen Witz
Ein zweiter Inspizient ist als „Läufer“ rund um die Bühne unterwegs. Er achtet darauf, dass die Darsteller punktgenau ihren Auftritt haben, alle Kostümdetails und Requisiten passen. Und manchmal auch, ob das „Nervenkostüm“ sitzt. „Sonst bieten wir ein bisschen psychologischen Support an“, lacht Celia Tafaj. „Manche brauchen zum Beispiel noch einen Witz.“
Damit alles wie am Schnürchen läuft, haben sie ihre ganz eigene Partitur. Darin notieren sie bereits bei den Proben jeden einzelnen Schritt in einem einheitlichen Schriftsystem. „So kann es jeder von unserem Team lesen und umsetzen. Und jederzeit einspringen.“
Es kommt aber durchaus vor, dass eben nicht alles wie am Schnürchen läuft. „Was uns an den Rand des Herzinfarkts treibt, sind Show-Stops, wenn der Schnürboden z. B. nicht mehr fährt. Dann müssen wir gemeinsam mit der Abendspielleitung und dem Direktionsdienst überlegen, brechen wir ab oder nicht?“
Celia Tafaj hat 1998 an der Wiener Volksoper begonnen. „Ich wurde quasi direkt von der Schule weg engagiert.“ Eine spezielle Ausbildung gibt es nicht. „Es ist einfach ,Learning by doing`“, so Tafaj. Man muss Noten lesen können, Deutsch und Englisch sprechen und pünktlich, verlässlich, multitaskingfähig sein.
Ein besonderes Hoppala ist ihr in Erinnerung geblieben: „Ein Darsteller der ,Meisternsinger von Nürnberg‘ hat sich versehentlich mit einem Schusterhammer auf die Nase geschlagen. Es hat fürchterlich geblutet. Da mussten wir gleich dafür sorgen, dass der Vorhang fällt und der Arzt kommt.“
Zum Glück geht ja meistens alles gut. Die Inspizienten sorgen dafür – und bleiben unbemerkt.
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