Rassismusvorwürfe

Druck auf Stadtrat wächst: Parteien fordern Folgen

Niederösterreich
04.11.2026 06:30

Persönliche Konsequenzen abseits von Entschuldigungen fordern vier Wilhelmsburger Gemeinderatsparteien nach den Rassismusvorwürfen gegen Christian Brenner. Der FPÖ-Politiker entschuldigt sich erneut, erhebt aber Gegenvorwürfe gegen die Fußballer. Der Verein hält an seiner Darstellung fest.

„Wer mit dem Finger ständig auf andere zeigt, sollte besonders darauf achten, selbst Maß zu halten und die richtige Wortwahl zu finden.“ Das erklärte Christian Brenner nach dem Rassismus-Eklat um den damaligen Wilhelmsburger SPÖ-Vizebürgermeister Mario Springer im Februar dieses Jahres. Nun halten ihm vier Gemeinderatsparteien seinen eigenen Maßstab vor.

SPÖ, ÖVP, Grüne und GUT für Wilhelmsburg verlangen gemeinsam eine glaubwürdige Aufarbeitung, klare Einsicht und „entsprechende persönliche Konsequenzen“. „Eine Entschuldigung ist notwendig, reicht aber nicht aus“, heißt es in ihrer Stellungnahme. 

Streit nach Siegesfeier und Musikwunsch
Hintergrund sind Vorwürfe des ASK Peham Wilhelmsburg gegen den FPÖ-Landtagsabgeordneten und Sozialstadtrat. Wie berichtet, sollen drei Spieler nach dem 6:2-Sieg gegen Neulengbach am 24. Oktober in einem Lokal von Brenner rassistisch und wegen ihrer vermeintlichen Religion beleidigt worden sein.

Zitat Icon

Ich entziehe mich keinesfalls meiner Verantwortung.

Christian Brenner, FPÖ-Landtagsabgeordneter und Sozialstadtrat

Auslöser soll ein serbisches Lied gewesen sein, das sich die Fußballer gewünscht hatten. Laut Verein bestätigte auch der anwesende Kellner und mehrere weitere Anwesende ihre Schilderungen. Der ASK verhängte ein Platzverbot für seine Sportanlage. Brenner entschuldigte sich nach einer „Krone“-Anfrage für sein Verhalten.

Brenner: Beschimpft und mit Gewalt bedroht
Nun äußert sich der Politiker erneut. Er räumt ein, sich im Zusammenhang mit dem Musikstück zu unangemessenen Äußerungen hinreißen gelassen zu haben. Seine Wortwahl sei nicht in Ordnung gewesen. Dafür wiederholt er seine Entschuldigung und erklärt, Verantwortung zu übernehmen.

Zugleich erhebt Brenner Gegenvorwürfe: Im weiteren Verlauf sei er selbst massiv beschimpft und mit körperlicher Gewalt bedroht worden. Außerdem seien die Spieler in eine körperliche Auseinandersetzung mit anderen Gästen verwickelt gewesen. Daran sei er nicht beteiligt gewesen. Alle drei Fußballer seien schließlich aus dem Lokal geworfen worden.

Brenner hinterfragt, ob der Verein vor seiner öffentlichen Stellungnahme über das Verhalten der Spieler informiert gewesen sei. Er verlangt eine vollständige Aufarbeitung und betont: „Meine Hand ist ausgestreckt.“

FPÖ fordert auch vom Verein Aufklärung
Rückendeckung erhält er von Gerald Stiefsohn, Klubobmann der FPÖ-Gemeinderatsfraktion. Auch dieser stellt die Frage, was die Vereinsverantwortlichen über das Verhalten ihrer Spieler gewusst hätten. Den anderen politischen Parteien wirft Stiefsohn vor, die Darstellung des ASK zu verbreiten, um daraus politischen Nutzen zu ziehen.

ASK bestätigt Lokalverweis, widerspricht bei Rauferei
Mit den neuen Vorwürfen konfrontiert, bestätigt ASK-Geschäftsführer Jürgen Pinczker gegenüber der „Krone“, dass auch die Spieler des Lokals verwiesen wurden. Von einer Rauferei sei dem Verein allerdings nichts bekannt. Die ihm vorliegenden Schilderungen stimmten darin überein. 

Das weitere Verhalten der Beteiligten könne und wolle er nicht abschließend beurteilen. Für den ASK sei entscheidend, dass Brenners Verhalten den Streit ausgelöst habe. Der Verein halte daher vollständig an seiner Stellungnahme fest.

Inzwischen hätten er und Brenner telefoniert, berichtet Pinczker. Das Gespräch sei in Ordnung gewesen, der Politiker sehe gewisse Dinge ein. Eine gemeinsame Aussprache, auch vor dem Bürgermeister, sei möglich.

SPÖ-Sportsprecher verlangt Rücktritt
Über die gemeinsame Erklärung der vier Gemeinderatsparteien hinaus geht Rainer Spenger: Der SPÖ-Sportsprecher im niederösterreichischen Landtag und ASKÖ-NÖ-Präsident fordert Brenners sofortigen Rücktritt.

Er stehe hinter der Entscheidung des Mitgliedsvereins ASK Wilhelmsburg. Sport lebe von Fairplay, Zusammenhalt sowie gegenseitigem Respekt und leiste einen wichtigen Beitrag zur Integration. „Rassismus hat in Sport und in Niederösterreich nichts verloren!“, betont Spenger. Eine Entschuldigung reiche aus seiner Sicht nicht aus.

Frühere Forderung nach Vorbildwirkung
Die Debatte um politische Verantwortung hat in Wilhelmsburg eine Vorgeschichte: Der damalige SPÖ-Vizebürgermeister Mario Springer legte nach einem Vorfall beim Faschingsumzug im Frühjahr sein Amt und alle Parteifunktionen zurück. Auch er soll einen Gemeindebürger rassistisch beleidigt haben.

Brenner hatte damals öffentlich die Verantwortung und Vorbildwirkung von Mandataren betont – ausdrücklich auch bei geselligen Anlässen und öffentlichen Feiern. Die vier Parteien fordern nun, dass er sich selbst an diesem Maßstab messen lässt.

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