Auch Vögel können bei Langstreckenflügen von einer Art Jetlag betroffen sein. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Studie der Universität Oxford (England). Demnach weicht die innere Uhr der Vögel teils ab, wenn sie lange Distanzen über den Atlantik hinweg zurücklegen.
Üblicherweise orientieren sich viele Tiere, wie auch Vögel, am Stand der Sonne. Die innere Uhr helfe ihnen, diesen korrekt zu interpretieren, schrieben die Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift „Science“. Wenn Vögel innerhalb eines Tages weite Strecken nach Osten oder Westen flögen und sich ihre innere Uhr nicht schnell genug an die jeweilige Ortszeit anpasse, könne es passieren, dass sie den Stand der Sonne fehlinterpretieren und geringfügig von ihrem Kurs abweichen, hieß es.
„Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Milliarden von Zugvögeln sich nach der Sonne orientieren und sich dabei auf ihre inneren Uhren verlassen, die still vor sich hin ticken, und dass Fehler in diesen Uhren dazu führen können, dass sie geringfügig vom Kurs abweichen“, sagte Forschungsleiter Patrick Lewin. Trotz der Kursänderung legten die Tiere aber keine großen Umwege zurück. Das Forschungsteam führt das darauf zurück, dass die Tiere im Laufe des Flugs ihre Position vermutlich immer wieder neu bewerten und anpassen würden. Auf einem tausend Kilometer langen Flug bei durchschnittlich sieben Grad Abweichung würden nur ungefähr fünf zusätzliche Flugstunden anfallen.
Tausende Flüge ausgewertet
Das Team hat GPS-Tracking-Daten ausgewertet, die 20 Jahre lang bei Atlantiksturmtauchern gesammelt wurden – bei insgesamt 3688 Flügen. Statistische Modelle halfen dabei, die Abweichungen vom erwarteten Kurs zu bestimmen und mit dem jeweiligen Sonnenstand in Verbindung zu setzen. Wie bei Menschen zeigte sich der Jetleg-Effekt lediglich bei Ost-West-Flügen. Allerdings legten viele Zugvögel auch Ost-West-Distanzen zurück, weil sie etwa die Alpen oder das Mittelmeer umfliegen, sagte Lewin. In diesen Fällen könne der Zeitverschiebungs-Effekt eine Rolle spielen.
Atlantiksturmtaucher brüten laut den Forscherinnen und Forschern auf Inseln vor der Westküste von Großbritannien und Irland. Auf der Suche nach Nahrung fliegen sie regelmäßig Hunderte Kilometer. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Tiere dieselbe Diskrepanz zwischen ihrer inneren Uhr und der äußeren Zeit erleben wie wir beim Jetlag“, fasste Lewin zusammen. Weitere Auswirkungen auf Verhalten oder Gesundheit seien nicht untersucht worden.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.