Qualen gehen weiter
Hinrichtung überlebt – Pike bricht ihr Schweigen
Eine Hinrichtung, die eigentlich ihr Leben beenden sollte, hat sie überlebt - doch die Folgen sind offenbar verheerend. Die US-Amerikanerin Christa Pike meldet sich erstmals seit dem missglückten Exekutionsversuch öffentlich zu Wort. Ihre Schilderungen lassen erahnen, wie sehr sie körperlich und seelisch leidet. Und auch ihre Zukunft ist weiterhin ungewiss.
Erstmals seit dem gescheiterten Hinrichtungsversuch Ende September hat sich die zum Tode verurteilte 50-Jährige direkt an die Öffentlichkeit gewandt. In einer von ihren Anwälten verbreiteten Stellungnahme berichtet Pike von anhaltenden Schmerzen. „Mein Körper schmerzt. Meine Arme schmerzen. Meine Hände schmerzen. Mein Hals schmerzt. Ich habe immer noch Schwierigkeiten zu sprechen“, wird sie zitiert. Es gebe keinen einzigen Moment, in dem sie nicht unter Schmerzen leide.
Doch die Belastung sei keineswegs nur körperlicher Natur. „Der Schmerz sitzt auch in meinem Kopf und in meiner Seele“, schilderte die Gefängnisinsassin. Zudem kritisierte sie die ihrer Ansicht nach mangelnde Kompetenz jener Verantwortlichen, die sie hinrichten sollten. Sie sei zutiefst verletzt über die Inkompetenz, die so viele Menschen in diese schreckliche Situation gebracht habe.
Fast eine Stunde lang um eine Infusion gerungen
Pike sollte am 30. September im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Die damals 50-Jährige war bereits an eine Liege in der Hinrichtungskammer gefesselt, als das Exekutionsteam versuchte, einen Zugang für die tödlichen Medikamente zu legen. Fast eine Stunde lang bemühten sich die Verantwortlichen, eine Infusionsleitung zu legen. Schließlich wurde das Beruhigungsmittel Pentobarbital verabreicht. Pike überlebte den Eingriff jedoch.
Medizinische Experten zeigten sich gegenüber dem britischen „Guardian“ angesichts der Abläufe im Hinrichtungsraum schockiert. Die Gefangene musste anschließend intensivmedizinisch behandelt werden. Nach zehn Tagen im Krankenhaus wurde sie wieder in die Krankenstation des Gefängnisses in Nashville gebracht.
„Ich hatte meinen Frieden gemacht“
In ihrer Stellungnahme beschreibt Pike auch, wie sie die Stunden vor dem gescheiterten Todesurteil erlebt hatte. Als sie die Hinrichtungskammer betrat, habe sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden. „Ich hatte meinen Frieden damit gemacht“, erklärte sie.
Umso verstörender sei das Erwachen einige Tage später gewesen. Sie sei allein, verwirrt und unter Schmerzen in einem Krankenhaus zu sich gekommen. Seither versuche sie, einen Sinn darin zu finden, was mit ihr geschehen sei. „Ich weiß nicht, warum ich jene Nacht überlebt habe. Ich weiß nicht, was als Nächstes kommt. An manchen Tagen ist es schwieriger als an anderen, Hoffnung zu finden. Im Moment versuche ich, mich zu erholen - einen Tag nach dem anderen.“
Isolation erinnert sie an Jahrzehnte in Einzelhaft
Auch ihre derzeitige Unterbringung macht Pike zu schaffen. Sie befinde sich größtenteils isoliert auf der Krankenstation und sei von anderen Menschen und zwischenmenschlichen Kontakten abgeschnitten. Eine besonders belastende Situation für die 50-Jährige: Die ersten 28 Jahre ihrer Zeit im Todestrakt habe sie bereits in Einzelhaft verbracht. Vieles von dem, was sie nun erlebe, erinnere sie an diese Zeit.
Trotz ihrer schwierigen Lage bedankte sie sich bei den Menschen, die sie während ihrer Genesung unterstützt hätten. Besonders hob sie die Arbeit der Rettungskräfte, Ärzte und Pflegekräfte im Krankenhaus sowie ihrer Anwälte hervor. Die Anteilnahme aus aller Welt gebe ihr Kraft.
Unklar, wie es mit der Todesstrafe weitergeht
Pike war 1996 wegen Mordes an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Die Tat hatte sich 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville ereignet. Pike war damals selbst erst 18 Jahre alt. Slemmer war über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden.
Wie es nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch weitergeht, ist derzeit offen. Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, hat weitere Hinrichtungen bis zum Abschluss einer externen Untersuchung vorerst ausgesetzt. Er erklärte allerdings, dass er davon ausgehe, dass Pikes Todesurteil bestehen bleibe, solange Gerichte nicht anders entscheiden.

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