Er inszenierte die großen Dramen der Weltliteratur, lieferte sich legendäre Auseinandersetzungen und sorgte auch abseits der Bühne regelmäßig für Schlagzeilen. Jetzt könnte Paulus Manker selbst die Hauptrolle in einem Justizdrama spielen: Gegen ihn wurde Anklage erhoben, es geht um Veruntreuung und betrügerische Krida.
Diesmal schreibt nicht der streitbare Regisseur das „Drehbuch“, sondern die Staatsanwaltschaft Wien. Die hat gegen den 68-Jährigen aktuell eine 13 Seiten starke Anklageschrift eingebracht. Der Vorwurf: Manker soll Hunderttausende Euro aus seinen Theaterproduktionen „Alma“ und „Die letzten Tage der Menschheit“ beiseitegeschafft und damit Gläubiger seiner inzwischen insolventen Theaterfirma geschädigt haben.
Mittelloser Pensionist
Besonders bemerkenswert: Der einst gefeierte Regisseur wird von der Staatsanwaltschaft als de facto mittelloser Pensionist geführt. Seine monatlichen Bezüge: gerade einmal 1500 Euro netto – sonstiges Vermögen habe er jedoch keines mehr.
„Alma“ ließ die Kassen klingeln
Dabei klingelten bei den Theaterproduktionen im Südbahnhotel am Semmering (NÖ) ordentlich die Kassen. Tausende Karten für „Alma“ und „Die letzten Tage der Menschheit“ gingen um bis zu 125 Euro über den Tisch. Doch hinter den Kulissen tobte ein erbitterter Streit ums Geld.
Laut Vertrag hätten die Ticketeinnahmen auf ein Konto des Geschäftspartners S & W fließen müssen. Stattdessen landeten sie zunächst bei Mankers Theaterfirma, später beim von ihm kontrollierten Verein „Kulturaktiv“. Auf beiden Konten gingen laut Anklage jeweils mehr als 400.000 Euro ein. Selbst ein gerichtlicher Vergleich brachte keine Einigung. Der schwere Vorwurf: Manker soll 349.350,40 Euro unrechtmäßig einbehalten haben.
Nach Räumung und Pleite folgt jetzt Schlussakt
Dann folgte der große Knall: Zwangsräumung des Südbahnhotels im Jänner 2024, Firmenpleite im August. Der Insolvenzverwalter stellte Barentnahmen von rund 198.000 Euro fest, vollständige Buchhaltungsunterlagen fehlten.
Nun wirft die Staatsanwaltschaft dem Regisseur schwere Veruntreuung und betrügerische Krida vor. Bei einer Verurteilung drohen ihm – für einen Anklagepunkt allein – zehn Jahre Gefängnis!
Ich sehe dem Verfahren mit der gebotenen Gelassenheit entgegen. Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind unbegründet.
Paulus Manker, Regisseur
Belege „bei Zwangsräumung verschwunden“
Manker bestreitet die Anschuldigungen vehement, er sieht sich selbst als Opfer. Sämtliche Einnahmen seien in die aufwendigen Produktionen geflossen, die rund 1,16 Millionen Euro gekostet hätten. Belege seien aber bei der Zwangsräumung verschwunden, so der Künstler. Ob diese Erklärung die Richter überzeugt, bleibt abzuwarten.
„Sämtliche Einnahmen dienten ausschließlich und nachweislich unseren Theaterproduktionen ,Alma‘ und ,Die letzten Tage der Menschheit‘. Nicht ein Cent wurde anderweitig verwendet. Das Gericht wird das überprüfen und zu dem Schluss kommen, dass die Anschuldigungen nicht haltbar sind“, erklärt Manker. Für den Regisseur gilt naturgemäß die Unschuldsvermutung.
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