Hilfe kam verzögert
Pannen-Hinrichtung: Notruf als Fehlalarm gewertet
Nach der missglückten Hinrichtung der 50-jährigen Mörderin Christa Pike kommen immer mehr Details über die chaotischen Zustände ans Licht: Wie die Mitschnitte zeigen, wurde der Notruf zunächst als Fehlalarm gewertet. Auch am Gefängniseingang gab es ein Chaos. So wurden die Rettungskräfte erst mit Verzögerung hineingelassen.
Die Nachrichtenagentur AP hat die Notrufmitschnitte ausgewertet und dabei die konfuse Kommunikation nach der gescheiterten Exekution aufgedeckt. Daraus ist ersichtlich, dass der erste Notruf um 20.30 Uhr einging. Der Anrufer aus dem Gefängnis erklärte: „Wir haben heute Abend eine Hinrichtung durchgeführt. Wir haben 10 Gramm Pentobarbital verabreicht. Die Person ist noch nicht tot. Das hat vor etwa einer Stunde begonnen. Und wir rufen einen Krankenwagen“, erklärte der Mitarbeiter aus der Hochsicherheitsanstalt Riverbend.
Anrufer konnte keinen Code zur Überprüfung des Notrufs nennen
Zu diesem Zeitpunkt war Pike bewusstlos. Der Anrufer erklärte, dass ihre Atmung „sehr schwer“ sei. Die Rettungsleitstelle forderte daraufhin, dass man einen Sicherheitscode nennen soll, um die Echtheit des Notrufs festzustellen. Doch ein Code konnte nicht genannt werden. „Wie kann es sein, dass es keinen Code gibt?“, ist der Disponent fassungslos. Daher wurde der Anruf zunächst als Fehlalarm interpretiert.
Es folgten weitere Anrufe, um den Vorfall zu bestätigen. Eine Frau aus der Leitstelle kontaktierte gegen 21 Uhr die Behörde Tennessee Department of Correction und erklärte, sie versuche, die „fehlgeschlagene Hinrichtung“ zu überprüfen. „Unsere Einsatzkräfte stehen bereit“, sagte die Frau laut Audioaufzeichnung des Anrufs. „Wir versuchen lediglich, dies zu überprüfen.“ Doch der angerufene Beamte erklärte, dass sich niemand von ihrer Einrichtung gemeldet habe.
Als der Krankenwagen schließlich vor der Haftanstalt angekommen war, kam es zur nächsten Panne: „Jemand steht draußen am Gefängnistor und fordert uns auf, reinzufahren. Die Person behauptet, eine Art Staatsbeamter zu sein. Ich brauche jemanden, der zum Tor kommt und mit diesen Leuten spricht.“ Es musste ein Streifenwagen angefordert werden, damit die Rettungskräfte das Gefängnis überhaupt betreten dürfen.
Erst mehr als eine halbe Stunde nach dem ersten Notruf durften die Rettungskräfte ins Gefängnis. Erst dann konnte Pike in ein Krankenhaus gebracht werden. Mittlerweile durfte sie das Spital wieder verlassen und wurde wieder in die Haftanstalt verlegt.
Pike ist die erste Person, die zwei Giftspritzen überlebt hat. Ihre Anwälte glauben anfangs nicht, dass die Ärzte nach der missglückten Hinrichtung ihr Leben retten können. Kurz bevor die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden sollten, weil man einen Hirntod vermutet hatte, wachte die verurteilte Mörderin jedoch vergangene Woche Dienstag wieder auf.

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