Nicht nur einen Hauch „Schweigen der Lämmer“ versprüht die neue Serie „Nocturne“. Darin spielt Stephen Graham einen manipulativen Mörder, dem aber zu wenig Bildschirmzeit gewidmet wird. Jetzt auf AppleTV+.
Ein verstörtes Kind wird nach langer Gefangenschaft gefunden – die Parallelen zum Serienkiller Jurek Walter sind bemerkenswert, doch dieser sitzt in einer Hochsicherheits-Psychiatrie ein. Aber was, wenn nicht einmal diese Einzelzelle ihn aufhalten kann? Er mit perfiden Methoden seine wenigen Kontaktpersonen dazu treibt, schlimmste Verbrechen an seiner statt auszuführen? Die Ermittler Jonah Lynn (Liev Schreiber) und Saga Bauer (Zazie Beetz) halten das für immer wahrscheinlicher und versuchen, mit einer Undercover-Aktion, das zu beweisen ...
„Nocturne“ auf AppleTV+ ist eine recht generische, düstere Psychokiller-Serie, die auf dem skandinavischen Thriller „Der Sandmann“ basiert und vor allem durch ihre Darsteller glänzt. Allen voran Stephen Graham als manipulativer Verbrecher à la „Schweigen der Lämmer“. Graham hat sich seit seinem Megahit „Adolescence“ (Netflix) aus dem letzten Jahr in Superstar-Sphären katapultiert und wählt gezielt psychologisch herausfordernde Rollen wie zuletzt einen Kidnapper im Thriller „Good Boy“.
Im Gespräch mit der „Krone“ erklärt er, dass er diesen Themen bei sich zu Hause kaum entkommt: „Meine Frau ist besessen von Serienmördern. Mit ihr muss ich mir so viele True-Crime-Dokus anschauen, da habe ich das alles absorbiert, das hat mich gut vorbereitet.“ Es habe ihn emotional nicht besonders mitgenommen: „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich bin wirklich nicht krank im Kopf, aber ich hatte einfach eine wundervolle Zeit. Obwohl ich die meiste Zeit im Gefängnis verbracht habe!“ Er gehe das wie ein Fußballspieler an: „Du hast dein Training absolviert, du bist gut vorbereitet, und beim Anpfiff musst du einfach 90 Minuten lang abliefern, was du schon in dir hast.“
Tatsächlich hätte es der Serie gut getan, dem brillanten und intensiv spielenden Graham mehr Bildschirmzeit zu geben, denn die Passagen über die Ermittlungen sind zeitweise sehr lang gezogen, ohne, dass viel passiert. Alleine die Einschleusung der Undercover-Agentin Saga in die Anstalt frisst einen Gutteil einer Folge und ist nur bedingt spannend. Eine Verdichtung von zehn auf sieben oder acht Folgen hätte dieser Produktion extrem gut getan und fehlendes Tempo hineingebracht.
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