Steirerinnen verdienen durchschnittlich um 17 Prozent weniger als ihre Arbeitskollegen. Lohntransparenz könnte die Einkommenslücke schließen, doch Österreich ist säumig. Welche Auskunftsrechte Frauen jetzt schon haben und wie sie bei der Gehaltsverhandlung helfen.
Heute, am 30. Oktober 2026, ist Equal Pay Day in der Steiermark. Er besagt, dass ganzjährig vollbeschäftigte Frauen das restliche Jahr sozusagen gratis arbeiten. Zu groß ist der Einkommensvorsprung ihrer männlichen Kollegen.
Das eigentliche Problem dahinter: „Viele Frauen wissen gar nicht, dass sie weniger verdienen als ihr Sitznachbar“, sagt Bernadette Pöcheim, Leiterin des Frauenreferats der Arbeiterkammer Steiermark. Zahlreiche Beispiele aus ihren Beratungsgesprächen bestätigen das. Studien zeigen: Über 40 Prozent der Arbeitnehmerinnen haben noch nie eine Gehaltsverhandlung geführt.
Viele Frauen wissen gar nicht, dass sie weniger verdienen als ihr Kollege. Arbeitgeber sind dafür zuständig, gleich zu bezahlen.

Bernadette Pöcheim, AK Steiermark
Bild: AK Steiermark
Der erste Schritt zum höheren Lohn ist also der Gang ins Chefbüro. „Bei Männern wird Selbstbewusstsein eher toleriert. Frauen sollten verstärkt Kompetenzen aufzeigen und die eigenen Erfolge kommunizieren“, sagt die Expertin. Darüber hinaus geht es aber vor allem darum, zu wissen, was einem zusteht – und hier wird es wirklich interessant.
Denn Vorgesetzte müssen offenlegen, welche Durchschnittsgehälter sie für vergleichbare Posten zahlen und welche Gehaltsentwicklung man sich erwarten kann. Außerdem: Bei Bewerbungsgesprächen darf nicht nach der Entlohnung beim Ex-Arbeitgeber gefragt werden. „Damit sich die Gehaltsdiskriminierung nicht fortsetzt“, so Pöcheim.
Österreich bei Transparenz säumig
Gleichwertige Arbeit gehört laut Gleichbehandlungsgesetz längst ident entlohnt. Diese Vorgabe soll durch die EU-Transparenzrichtlinie verschärft kontrolliert werden: Wird in einem Unternehmen eine ungerechtfertigte Lohnlücke von fünf Prozent oder mehr festgestellt, hat das Konsequenzen.
Wer Transparenz fürchtet, hat meistens einen Grund dafür. Faire Löhne brauchen Offenheit. Wir haben genug von dieser Warterei!

Helga Ahrer, ÖGB-Frauen Steiermark
Bild: Christian Jauschowetz
Die Richtlinie hätte bis Juni 2026 umgesetzt sein müssen, doch Österreich ist säumig. Bald könnten Strafen drohen. Helga Ahrer, Vorsitzende der ÖGB-Frauen Steiermark, ist empört: „Jeder Euro, der in Strafzahlungen fließt, fehlt bei Kinderbetreuung, Pflege und echter Chancengleichheit.“
Ahrer sagt: Gehaltsunterschiede aufs Verhandlungsgeschick zu schieben, ist ein „No Go“. Sie nimmt Arbeitgeber in die Pflicht. „Wir müssen Frauen vor Fallen schützen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Wir haben genug von dieser Warterei!“
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