Seit 2005 gibt es Pensionssplitting in Österreich, dennoch wird es kaum genutzt. In der Steiermark wurden im Verhältnis zu 10.000 Geburten zuletzt nur 185 Anträge gestellt. Doch wie funktioniert es eigentlich?
Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung und Handel – diese Jobs werden vorwiegend von Frauen ausgeübt, aber schlechter bezahlt. Hinzu kommen dann noch Betreuungspflichten, die noch immer meistens die Frauen ausüben. Daraus ergibt sich: Frauen verdienen meist nicht nur weniger, sie haben auch eine geringere Pension.
Der Tag symbolisiert, dass Frauen heuer 42 Tage rechnerisch „unbezahlt“ arbeiten. Grundlage: Median-Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten. Die Lohnschere liegt daran, dass viel mehr Frauen im Handel, Dienstleistungssektor etc. arbeiten. „Diese sogenannten klassischen Frauenjobs werden leider schlechter entlohnt“, sagt Bernadette Pöchheim von der Arbeiterkammer Steiermark. Während Männer viel häufiger in gut bezahlten Jobs unterwegs sind. „Auch Führungspositionen sind überproportional männlich besetzt in Österreich“, so Pöcheim. Und die Kinderbetreuung ist immer noch ungleich verteilt.
2005 wurde das System in Österreich eingeführt. Einfaches Beispiel: Beide Eltern verdienen 4000 Euro brutto, die Frau geht in Karenz. Trotz höchstem Kinderbetreuungsgeld fließt deutlich weniger Geld auf ihr Pensionskonto als das des Mannes. Wenn sie, um auf das gemeinsame Kind zu schauen, noch auf Teilzeit reduziert, geht das so über Jahre. Um das auszugleichen, überweist der Mann einen freiwilligen Betrag auf ihr Pensionskonto (möglich bis max. 50 Prozent des Einkommens). Ob es ein paar hundert oder tausend Euro sind, entscheidet man selbst. Pensionssplitting ist bis zum 7. Geburtstag des Kindes möglich.
Das Modell setzt keine Ehe voraus, sondern ein gemeinsames Kind. Kommt es zur Trennung, zum Beispiel wenn das Kind vier Jahre alt ist und man bis dahin Pensionssplitting gemacht hat, kann das Geld vom Mann nicht rückwirkend verlangt werden.
Pensionssplitting kann auch erst ab dem zweiten Kind durchgeführt werden. „Als Bezugsgröße wäre es fair, das erste volle Gehalt der Frau heranzuziehen“, sagt Pöcheim.
Die Zahlen sind über die Jahre zwar gestiegen, aber trotzdem wurden 2024 nur 185 Anträge in der Steiermark gestellt. „Bei fast 10.000 Geburten“, so NEOS-Frauensprecher Robert Reif. Die NEOS fordern das Land auf, eine Informationskampagne zu starten. Und zwar dort, „wo Eltern erreicht werden“, etwa über Gemeinden, Gesundheitseinrichtungen, Eltern-Kind-Pass-Stellen oder digitale Services. „Altersarmut von Frauen ist kein Randproblem, sondern eine soziale Zeitbombe“, sagt Reif.
„Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit, in der Kindererziehung und Pflege von Familienmitgliedern. In der Pension zahlen sie die Rechnung dafür“, so Pöcheim. Aus den Beratungen kenne sie viele alleinerziehende Frauen, die jetzt mit ihrer Pension nicht über die Runden kommen. Pensionssplitting sei eine Option für eine gerechtere Vorsorge, meint die Expertin.
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