Wie funktioniert es?

Pensionssplitting: Kaum Anträge in der Steiermark

Steiermark
11.02.2026 08:00

Seit 2005 gibt es Pensionssplitting in Österreich, dennoch wird es kaum genutzt. In der Steiermark wurden im Verhältnis zu 10.000 Geburten zuletzt nur 185 Anträge gestellt. Doch wie funktioniert es eigentlich?

Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung und Handel – diese Jobs werden vorwiegend von Frauen ausgeübt, aber schlechter bezahlt. Hinzu kommen dann noch Betreuungspflichten, die noch immer meistens die Frauen ausüben. Daraus ergibt sich: Frauen verdienen meist nicht nur weniger, sie haben auch eine geringere Pension. 

1) Am 11. Februar ist Equal Pay Day in Österreich. Was heißt das?

Der Tag symbolisiert, dass Frauen heuer 42 Tage rechnerisch „unbezahlt“ arbeiten. Grundlage: Median-Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten. Die Lohnschere liegt daran, dass viel mehr Frauen im Handel, Dienstleistungssektor etc. arbeiten. „Diese sogenannten klassischen Frauenjobs werden leider schlechter entlohnt“, sagt Bernadette Pöchheim von der Arbeiterkammer Steiermark. Während Männer viel häufiger in gut bezahlten Jobs unterwegs sind. „Auch Führungspositionen sind überproportional männlich besetzt in Österreich“, so Pöcheim. Und die Kinderbetreuung ist immer noch ungleich verteilt.

Bernadette Pöcheim leitet bei der Arbeiterkammer Steiermark die Abteilung Frau, Beruf und ...
Bernadette Pöcheim leitet bei der Arbeiterkammer Steiermark die Abteilung Frau, Beruf und Familie.(Bild: AK Steiermark)
2) Ein Konzept, das Frauen vor Altersarmut schützt, ist Pensionssplitting. Doch was ist das überhaupt?

2005 wurde das System in Österreich eingeführt. Einfaches Beispiel: Beide Eltern verdienen 4000 Euro brutto, die Frau geht in Karenz. Trotz höchstem Kinderbetreuungsgeld fließt deutlich weniger Geld auf ihr Pensionskonto als das des Mannes. Wenn sie, um auf das gemeinsame Kind zu schauen, noch auf Teilzeit reduziert, geht das so über Jahre. Um das auszugleichen, überweist der Mann einen freiwilligen Betrag auf ihr Pensionskonto (möglich bis max. 50 Prozent des Einkommens). Ob es ein paar hundert oder tausend Euro sind, entscheidet man selbst. Pensionssplitting ist bis zum 7. Geburtstag des Kindes möglich.

3) Was passiert, wenn man sich scheiden lässt oder trennt?

Das Modell setzt keine Ehe voraus, sondern ein gemeinsames Kind. Kommt es zur Trennung, zum Beispiel wenn das Kind vier Jahre alt ist und man bis dahin Pensionssplitting gemacht hat, kann das Geld vom Mann nicht rückwirkend verlangt werden.

Die Entwicklung der gestellten Anträge von 2014 bis 2024 in der Steiermark
Die Entwicklung der gestellten Anträge von 2014 bis 2024 in der Steiermark(Bild: Krone KREATIV)
4) Es gibt bereits ein Kind, die Mutter arbeitet Teilzeit, der Mann Vollzeit, und das Paar will beim zweiten Kind Pensionssplitting machen. Geht das? 

Pensionssplitting kann auch erst ab dem zweiten Kind durchgeführt werden. „Als Bezugsgröße wäre es fair, das erste volle Gehalt der Frau heranzuziehen“, sagt Pöcheim.

5) Wie viele Anträge stellen die Steirerinnen und Steirer?

Die Zahlen sind über die Jahre zwar gestiegen, aber trotzdem wurden 2024 nur 185 Anträge in der Steiermark gestellt. „Bei fast 10.000 Geburten“, so NEOS-Frauensprecher Robert Reif. Die NEOS fordern das Land auf, eine Informationskampagne zu starten. Und zwar dort, „wo Eltern erreicht werden“, etwa über Gemeinden, Gesundheitseinrichtungen, Eltern-Kind-Pass-Stellen oder digitale Services. „Altersarmut von Frauen ist kein Randproblem, sondern eine soziale Zeitbombe“, sagt Reif.

Robert Reif von den NEOS: „Das Problem ist nicht das fehlende Instrument, sondern das fehlende ...
Robert Reif von den NEOS: „Das Problem ist nicht das fehlende Instrument, sondern das fehlende Bewusstsein.“(Bild: Christian Jauschowetz)
6) Wieso sind Frauen von Altersarmut betroffen?  

„Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit, in der Kindererziehung und Pflege von Familienmitgliedern. In der Pension zahlen sie die Rechnung dafür“, so Pöcheim. Aus den Beratungen kenne sie viele alleinerziehende Frauen, die jetzt mit ihrer Pension nicht über die Runden kommen. Pensionssplitting sei eine Option für eine gerechtere Vorsorge, meint die Expertin.

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