Die Fließgewässer im Bezirk Hollabrunn sollen so revitalisiert werden, dass Forelle, Koppe & Co wieder unbekümmert „flosseln“ können.
Wenn sich die Fugnitz durch das herbstliche Thayatal schlängelt, glitzert das Wasser zwischen bunt gefärbten Uferbäumen. Hier, wo der Schwarzstorch seine Kreise zieht und im klaren Bachbett die Koppe lebt, schlägt noch ein Stück ursprüngliches Niederösterreichs. Doch alte Wehre und Überreste früherer Kraftwerksanlagen bremsen den natürlichen Lauf des Wassers. Jetzt will der WWF diesen wertvollen Lebensadern ihre Freiheit zurückgeben: Sechs Flussbarrieren sollen im Bezirk Hollabrunn weichen. Dadurch werden rund 24 Kilometer von Fugnitz und Fellingbach wieder für Fische durchgängig.
Hindernisse beseitigen, Lebensräume verbinden
Die Fugnitz ist der wichtigste Zubringer der Thaya im Nationalpark Thayatal. Sie bietet seltenen und geschützten Arten einen kostbaren Rückzugsraum – darunter dem Schwarzstorch, der Koppe sowie Amphibien wie Kammmolch und Feuersalamander. Gerade weil die Thaya durch flussaufwärts gelegene Wasserkraftwerke stark verändert wurde, kommt diesem Gewässersystem besondere Bedeutung zu. Doch Barrieren trennen Lebensräume voneinander und erschweren den Fischen ihre Wanderungen. Mit dem Projekt „ConnectingCanyons“ bereitet der WWF bis Ende Juni 2027 den Rückbau vor. Auch die Gemeinde Hardegg sowie Grundeigentümer unterstützen das Vorhaben.
Mehr Platz für die Natur
„Gerade jetzt, wo Hitze und Niederwasser den Druck auf unsere Gewässer massiv erhöhen, müssen wir ihnen mehr Raum geben, statt sie weiter zu verbauen“, betont WWF-Projektleiterin Julia Schilcher. Die Zahlen unterstreichen den Handlungsbedarf: Nur noch 14 Prozent der österreichischen Flüsse gelten als ökologisch intakt. Rund 27.000 nicht fischpassierbare Querbauwerke unterbrechen die Fließgewässer des Landes – im Durchschnitt eines alle 900 Meter.
Die Fugnitz könnte damit zum Vorbild werden: Wo Beton und alte Wehre verschwinden, können sich natürliche Flussläufe und wertvolle Lebensräume wieder entfalten. Das Gewässersystem ist zudem als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung durch die Ramsar-Konvention anerkannt. Die Planung wird vom „Open Rivers Programme“ finanziert, das europaweit den Rückbau von Flussbarrieren fördert. Für die Natur im Thayatal ist es ein Hoffnungsschimmer – und die Chance, dass das Wasser wieder freier fließt und das Leben in seine Ufer zurückkehrt.
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