Personalengpass

Saisonniers: Touristiker und Gewerkschaft im Zwist

Vorarlberg
28.10.2026 17:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Es ist seit Jahren das gleiche Spiel: Die Wintersaison steht in Vorarlberg vor der Tür – und noch immer sind in den Tourismusbetrieben viele Stellen offen. Während die Hoteliers auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten hoffen, nimmt die Gewerkschaft die Betriebe in die Pflicht: Würden diese für anständige Arbeitsbedingungen sorgen, hätten sie die Personalprobleme nicht.

Ursprünglich als Notlösung konzipiert, um die Personalengpässe im Tourismus abzudämpfen, ist die Saisonkontingente-Verordnung längst zum Dauerzustand geworden. Sie definiert, wie viele Saisonkräfte Tourismusbetriebe im Winter anstellen dürfen. Laut Regierungsprogramm hätte die Verordnung für die anstehende Saison bereits im September vom Arbeitsministerium vorgestellt werden sollen, bis dato liegt das Papier allerdings noch nicht vor. Diese Woche soll es endlich so weit sein, heißt es aus Wien.

Kegele warnt vor Umsatz- und Wertschöpfungsverlusten
Im Ländle, wo die Personalnot besonders massiv ist, ist der Ärger dennoch groß, zumal der Schaden bereits angerichtet sei. „Die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften erfordert Vorlauf – von der Bewilligung bis zur Anreise. Jede weitere Verzögerung verschärft die ohnehin herausfordernde Personalsituation“, betont Markus Kegele, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Wenn offene Stellen nicht besetzt werden können, müssten Unternehmen ihr Angebot einschränken, Öffnungszeiten reduzieren oder Kapazitäten ungenutzt lassen, gibt Kegele zu bedenken. Nicht verkaufte Hotelbetten und geschlossene Restaurantbereich würden unmittelbare Umsatz- und Wertschöpfungsverluste nach sich ziehen. Gleichzeitig verteile sich die Arbeit auf weniger Beschäftigte, was die Stammbelegschaft und die Unternehmerfamilien zusätzlich belaste.

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Jede weitere Verzögerung verschärft die ohnehin herausfordernde Personalsituation.

Markus Kegele, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft

Gewerkschaftsboss: Heimischer Arbeitsmarkt bietet genug Potenzial
Seitens der Gewerkschaft hält sich das Mitleid mit den Tourismusbetrieben in Grenzen. Die Probleme seien zu einem Gutteil hausgemacht, so der vida-Landesvorsitzende Reinhard Stemmer. Seine Forderung: „Wer Personal gewinnen will, muss Löhne und Arbeitsbedingungen verbessern, statt den Fachkräfte- und Personalmangel allein mit Saisonkontingenten zu bekämpfen.“ Stemmer ist überzeugt davon, dass der heimische Arbeitsmarkt genug Potenzial bietet, um den Großteil der Nachfrage zu bedienen und verweist auf die offiziellen Zahlen: Ende September waren in Vorarlberg immerhin 1145 Personen in Hotel-, Gaststätten- und Küchenberufen auf Jobsuche. „Diese Menschen müssen wir in den Blick nehmen. Wenn die Arbeitsbedingungen attraktiver wären, könnten die Betriebe aus diesem Potenzial viel stärker schöpfen. Wer offene Stellen besetzen will, muss auch fragen, warum so viele Menschen die Branche meiden oder ihr nach kurzer Zeit wieder den Rücken kehren“, so Stemmer.

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Wer Personal gewinnen will, muss Löhne und Arbeitsbedingungen verbessern, statt den Fachkräfte- und Personalmangel allein mit Saisonkontingenten zu bekämpfen.

Reinhard Stemmer, vida-Landesvorsitzender

Forderung nach attraktiveren Rahmenbedingungen
Verbesserungen brauche es vor allem bei der Bezahlung und den Arbeitszeiten. Letztlich müsse das Ziel sein, offene Stellen mit Arbeitssuchenden und Fachkräften aus dem Inland zu besetzen. „Wir wollen nicht, dass Betriebe auf der Suche nach Personal immer zuerst nach Arbeitskräften aus Nepal, Sri Lanka oder anderen Drittstaaten rufen, während Menschen hierzulande Beschäftigung suchen“, stellt Stemmer klar.

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