Kehlsteinhaus zerstört

Tour-Anbieter: „Brand macht alle sprachlos!“

Salzburg
27.10.2026 06:00

Das Kehlsteinhaus am Obersalzberg hoch über Berchtesgaden ist ein Mahnmal an die NS-Zeit hat auch in Salzburg enorme Bedeutung. Über den Sommer machen sich tagtäglich Reisegruppen auf den Weg dorthin.

Die meisten von rund 400.000 Gästen am Obersalzberg (Berchtesgaden) pro Jahr kommen aus den USA, viele aus Israel oder anderen europäischen Staaten. Und die Tour zum Kehlsteinhaus (Eagle’s Nest) wird auch im nahen Salzburg vielfach gebucht. Die Saison sollte heuer um eine Woche länger laufen, fand nach dem verheerenden Brand aber ein jähes Ende.

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Einfach furchtbar. So eine Stätte hat einen enormen Wert für die historische Aufarbeitung. Und am Kehlsteinhaus kommt der gigantische Ausblick dazu.

Stefan Herzl, Gründer von Panorama Tours

„Über den Sommer fahren wir täglich rauf“, betont Stefan Herzl von Panorama Tours die Wichtigkeit des Ausflugsziels für den Salzburger Raum. Als die Nachricht vom Feuer die Runde machte, herrschte vor allem eines: „Sprachlosigkeit!“ Wenn der Aussichtspunkt auch an die NS-Gräueltaten erinnert: „Es braucht Mahnmale wie das Kehlsteinhaus“, meint Herzl. Die historische Auseinandersetzung, dazu der gigantische Blick – das sei eine einmalige Kombination und auch ein Wirtschaftsmotor für den Tourismus der Region.

Zum Kehlsteinhaus führen nur Busse hinauf: Die Saison auf 1834 Meter Seehöhe endete nach dem ...
Zum Kehlsteinhaus führen nur Busse hinauf: Die Saison auf 1834 Meter Seehöhe endete nach dem Brand früher.(Bild: AFP/KERSTIN JOENSSON)

Hitlers Teehaus war im Original erhalten
Hitlers Teehaus auf 1834 Meter Seehöhe – eine Serpentinenstraße führt vom Dokumentationszentrum hinauf – war bis zur Brandnacht im Original erhalten. Jetzt stehen nur noch die Grundmauern. Vom berühmten Kamin bis zur Zirbenholz-Vertäfelung im sogenannten Scharitzkehlstüberl wurde alles zum Raub der Flammen. „Die Originalität ist jetzt Geschichte“, schreibt eine Nutzerin in den Sozialen Medien bestürzt. Andere graben Bilder von früher aus: 1952 wurde das Nazi-Haus als Berggasthof für die Allgemeinheit geöffnet und auch von Einheimischen besucht.

Roman Forisch, Sprecher der Austria Guides in Salzburg, spricht von einem großen Verlust: „Wir Kollegen haben mehrere WhatsApp-Gruppen. Alle sind erschüttert. Sollte sich Brandstiftung bestätigen, kann man nur sagen: Wie krank muss man sein?“ Er weiß aus Gesprächen, wie nachdenklich der Aussichtspunkt macht. „Amerikanern ist das Kehlsteinhaus oft aus der Serie ,Band of Brothers’ ein Begriff und wollen es erleben.“

Einheimische und Gäste blicken mit gemischten Gefühlen auf den Wiederaufbau. Herzl: „Ich finde, es ist ein Denkmal. Man sollte es wieder aufbauen.“

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