Lula triumphiert

Flavio Bolsonaro will Wahl in Brasilien anfechten

Außenpolitik
26.10.2026 08:20
Porträt von krone.at
Von krone.at

Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gewonnen. Wie die Wahlbehörde am Sonntag (Ortszeit) offiziell mitteilte, besiegte der linke Politiker seinen Kontrahenten, den rechten Senator Flávio Bolsonaro. Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse weigerte sich Bolsonaro, seine Niederlage einzugestehen und kündigte an, eine Annullierung der Abstimmung zu beantragen.

Lula bekam demnach gut 51,8 Prozent der Stimmen, Bolsonaro 48,2. Der 80-jährige Lula tritt mit dem Wahlsieg seine bereits vierte Amtszeit an. Der Wahlausgang gilt als Überraschung, da Lula im ersten Wahlgang noch hinter dem Sohn des inhaftierten früheren Präsidenten Jair Bolsonaro gelegen hatte. Sein Sieg bremst eine Welle rechter Wahlerfolge in Lateinamerika und durchkreuzt Hoffnungen von US-Präsident Donald Trump auf einen weiteren Verbündeten in der Region.

Das Balkendiagramm zeigt die Stimmenanteile bei der Stichwahl zur Präsidentschaft in Brasilien. Luiz Inacio Lula da Silva erreicht im ersten Wahlgang 45,2 % und in der Stichwahl 51,8 %. Flavio Bolsonaro erhält 47,0 % im ersten Wahlgang und 48,2 % in der Stichwahl. Quelle: APA.

Flávio Bolsonaro nannte die Entscheidung eines Richters am Obersten Gerichtshof, die Öffnungszeiten der Wahllokale für die Stichwahlen um zwei Stunden zu verlängern, inakzeptabel. Es sei unmöglich, das Wahlergebnis anzuerkennen, sagte er in der Hauptstadt Brasília.

Lula will digitale Plattformen regulieren
Lula betonte in seiner Siegesrede in São Paulo, er werde für alle 215 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer regieren. „Wir haben keinen Wahlgegner mehr“, sagte der Präsident. Er kündigte an, mit dem vom Volk gewählten konservativen Kongress zusammenzuarbeiten und sich in den kommenden zwei Monaten mit Wirtschaftsvertretern treffen zu wollen. Zugleich forderte er eine Regulierung digitaler Plattformen. Man habe eine ausländische Einmischung über diese Kanäle abgewehrt. „Brasilien ist nicht der Hinterhof für andere“, erklärte Lula. Die Wählerinnen und Wähler seien davon überzeugt worden, dass die Stimmabgabe zum Schutz der Demokratie in Brasilien extrem wichtig sei.

Der Herausforderer Flávio Bolsonaro will die Niederlage nicht anerkennen.
Der Herausforderer Flávio Bolsonaro will die Niederlage nicht anerkennen.(Bild: EPA/ANDRE BORGES)

Meinungsforschern zufolge verhalf eine unerwartet hohe Wahlbeteiligung Lula zum Sieg. Die Wähler hätten sich trotz gewisser Bedenken für einen bekannten Weg entschieden, der bestimmte Rechte garantiere, erklärte Leonardo Barreto vom Beratungsunternehmen Think Policy. Für Lula markiert der Sieg ein weiteres politisches Comeback: Der frühere Gewerkschafter saß zwischen 2018 und 2019 wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis, die später aufgehoben wurden. Im Wahlkampf hatte er auf sinkende Armut und Arbeitslosigkeit in seiner dritten Amtszeit verwiesen.

Glückwünsche aus Lateinamerika
Zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika gratulierten Lula zum Sieg. Der chilenische Präsident José Antonio Kast erklärte, man werde weiter an einer gemeinsamen Agenda zur wirtschaftlichen Integration und zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität arbeiten. Auch die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum sowie die Staatschefs von Paraguay, Uruguay, Bolivien, Kuba und Panama übermittelten ihre Glückwünsche.

Trotz des Wahlsiegs steht Präsident Lula nun vor massiven Herausforderungen. Hohe Zinsen und eine Staatsverschuldung von über 82 Prozent der Wirtschaftsleistung belasten das Land. Zudem sieht er sich dem konservativsten Kongress gegenüber, in dem Bolsonaros Liberale Partei (PL) und ihre Verbündeten in beiden Kammern über Mehrheiten verfügen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung