Vor dreißig Jahren eine Notlösung für Menschen mit Behinderung – mittlerweile stolzer Vorreiter: Die Geschichte hinter den Tagesstätten von „Vier Jahreszeiten“ zeigt, wie wichtig der persönliche Einsatz nach wie vor ist.
„Unsere Arbeit verlangt Herz und Hirn“, erzählt Ilse Rassnitzer, pädagogische Geschäftsführung der „Vier Jahreszeiten“ im Gespräch mit der „Krone“. Seit 20 Jahren ist sie in jenem Unternehmen tätig, das an insgesamt fünf Standorten in Kärnten täglich von Montag bis Freitag Menschen mit Behinderung betreut.
Dabei geht es nicht nur darum, die einfachen Grundbedürfnisse der einzelnen Personen zu befriedigen: „Jeder Klient wird von uns im Rahmen des Möglichen gezielt gefördert und gefordert“, berichtet Rassnitzer und ergänzt: „Es gibt nicht die eine richtige Herangehensweise, die für alle funktioniert und über die Gruppe gestülpt werden kann. Viel eher zählt, das Individuelle hervorzuheben und den Menschen da abzuholen, wo er aktuell steht.“
Zwischen neun und zwölf Personen ab 17 Jahren werden an den einzelnen Standorten in Wernberg, Lieserbrücke, Steinfeld, Landskron und Winklern je nach Bedarf von pädagogischen und medizinischen Fachkräften betreut. Von 8 bis 16 Uhr finden dann unterschiedliche Einzel- und Gruppentrainings, verschiedene Workshops und Ausflüge sowie diverse Therapien statt.
Um den Klienten eine selbstbestimmte Mitarbeit zu ermöglichen, ist man stets bemüht, die Einrichtung vor Ort zu adaptieren und verbessern. In der Tagesstätte in Lieserbrücke steht diesbezüglich aktuell die Küche im Vordergrund.
Ein höhenverstellbarer Küchenbereich inklusive Kochfeld soll diesbezüglich dafür sorgen, dass sie auch von Menschen im Rollstuhl bedienbar ist und die Arbeitsabläufe für alle Beteiligten erleichtern. Von Seiten der Geschäftsführung heißt es dazu: „Unser Anliegen ist es nicht, eine unzureichende Versorgung oder untragbare Zustände auszugleichen, sondern durch gezielte Verbesserungen mehr Teilhabe, Selbstständigkeit und Inklusion im Alltag zu ermöglichen.“
Berührungsängste abbauen
Trotz des jahrzehntelangen Einsatzes des gesamten Teams, ist das gesellschaftliche Miteinander noch längst nicht so, wie es sein soll, berichtet Rassnitzer: „Die Scheu und Scham von Außenstehenden hält sich gegenüber Menschen mit Behinderung leider immer noch hartnäckig.“
Wir heißen alle jederzeit willkommen, einen Blick in unsere Tagesstätten zu werfen und angelernte Berührungsängste abzulegen.
Ilse Rassnitzer, Pädagogische Geschäftsführerin von „Vier Jahreszeiten“
Anstatt kollektives Mitleid sei laut Rassnitzer viel eher ein gegenseitiges Begegnen auf Augenhöhe angebracht. „Eine Behinderung bedeutet nicht automatisch ein bedauerliches Leben. Es gibt einfach unterschiedliche Lebensrealitäten.“
Aktives Miteinander statt passives Zuschauen
Einen ersten Schritt in Richtung Selbstwirksamkeit setzen die Tagesstätten bereits selbst: An jedem Standort gibt es unter den zu betreuenden Personen Gruppensprecher, die im Austausch mit den Fachkräften Anliegen äußern und so den pädagogischen Alltag mitgestalten können.
Außerdem wird alle zwei Jahre ein Organisationssprecher gewählt, welcher die Tagesstätten nach außen vertritt. So bleibt der Verein seinem ursprünglichen Motto treu: Gemeinsam durch jede Jahreszeit.
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