Hunderttausende Tote, gewaltige wirtschaftliche Schäden und immer extremere Dürren: Die Folgen des Klimawandels werden zunehmend zur Gefahr für die Menschheit. Ein neuer Bericht im renommierten Fachjournal „The Lancet“ zeichnet ein alarmierendes Bild. Besonders eine Entwicklung bereitet den Forschern große Sorgen.
Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels haben im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen. Gleichzeitig kommen die Gegenmaßnahmen kaum hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam unter Federführung des University College London. Mehr als 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren an dem Bericht beteiligt.
Mehr als 540.000 Hitzetote pro Jahr
Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei hitzebedingten Todesfällen. Zwischen 2016 und 2023 starben weltweit jährlich durchschnittlich mehr als 540.000 Menschen infolge extremer Hitze. Laut Bericht waren 68 Prozent dieser Todesfälle auf den Klimawandel zurückzuführen. Im Jahrzehnt davor lag dieser Anteil noch bei 55 Prozent.
Allein für das Jahr 2023 schätzen die Forscher die Zahl der Hitzetoten auf rund 710.000. Damit forderte die Hitze laut den Wissenschaftlern mehr Todesopfer als beispielsweise Malaria.
Doch nicht nur die Gesundheit leidet. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Durch zunehmende Hitzewellen verringerte sich die weltweite Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr laut Schätzungen um 0,91 Prozent. Das entspricht rund 1,07 Billionen US-Dollar.
Besonders betroffen waren die Landwirtschaft und die Baubranche, wo viele Menschen körperlich anstrengende Arbeiten im Freien verrichten. Regional traf es Afrika und Südostasien am stärksten.
Mehr als die Hälfte der Landfläche von Dürre betroffen
Auch die Ausbreitung extremer Dürren bereitet den Forschern Sorgen. Im Jahr 2025 waren 51,8 Prozent der weltweiten Landfläche mindestens einen Monat lang von extremer Trockenheit betroffen. Das ist der zweithöchste jemals gemessene Wert.
Besonders besorgniserregend ist das Tempo dieser Entwicklung. Im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt hat sich die Zunahme extremer Dürren in den vergangenen zehn Jahren laut Bericht um mehr als 700 Prozent beschleunigt. Damit steigt unter anderem auch die Gefahr von Waldbränden und gesundheitsschädlicher Rauchbelastung.
Forscherin warnt vor globalem Gesundheitsnotstand
„Dies ist keine allmähliche Verschlechterung, sondern ein sprunghafter Wandel, der als der globale Gesundheitsnotstand anerkannt werden muss, der er ist“, warnt Studienleiterin Marina Romanello vom University College London.
Die zunehmenden Gesundheitsgefahren würden sich immer schneller verschärfen. Gleichzeitig träfen die wirtschaftlichen Folgen besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen und Branchen am härtesten.
Die Wissenschaftler fordern deshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, die Klimakrise offiziell zur gesundheitlichen Notlage auszurufen.
Geld für Klimaschutz und Gesundheit fehlt
Doch ausgerechnet bei der Finanzierung notwendiger Gegenmaßnahmen hapert es. Laut Bericht klafft eine erhebliche Lücke zwischen den benötigten Mitteln für den Gesundheitsschutz und den tatsächlich bereitgestellten Geldern.
Besonders deutlich wird das bei der internationalen Entwicklungshilfe. Die USA reduzierten ihre entsprechenden Mittel von 65,5 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf voraussichtlich 44,8 Milliarden Dollar im Jahr 2026. Deutschland kürzte seine Ausgaben im selben Zeitraum um 7,4 Milliarden Dollar.
Die sinkende finanzielle Unterstützung ärmerer Länder dürfte auch bei der bevorstehenden Weltklimakonferenz in der Türkei für Diskussionen sorgen.
Bereits vor einigen Monaten hatte eine paneuropäische Kommission die WHO aufgefordert, wegen der Klimakrise eine gesundheitliche Notlage auszurufen. Der neue „Lancet“-Bericht, der in Zusammenarbeit mit der WHO entstand, erhöht nun den Druck auf die Politik.
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