Der frühere ungarische Notenbankchef György Matolcsy ist am Mittwoch im Zuge einer Razzia verhaftet worden. Gegen den 71-jährigen ehemaligen Vertrauten von Ex-Ministerpräsident Viktor Orbán liegt eine lange Liste von strafrechtlich relevanten Vorwürfen vor: Verdacht auf Untreue, Misswirtschaft, Betrug und Amtsmissbrauch.
Die Ermittlungen gegen Matolcsy und dessen Umfeld begannen, nachdem Berichte des Staatlichen Rechnungshofes offengelegt hatten, dass während seiner Amtszeit (2013 – 2025) enorme Summen an Steuergeldern über Stiftungen der Nationalbank MNB in Netzwerke seiner Familie und Freunde abgeflossen sein sollen. Nach Angaben des Rechnungshofes handelt es sich um einen Verlust von rund 500 bis 560 Milliarden Forint (in etwa 1,37 bis 1,54 Mrd. Euro).
Fahndung nach Banker-Sohn
Die Untersuchungen konzentrierten sich auf Finanztransaktionen und Immobiliengeschäfte mit öffentlichem Geld, die auch im Zusammenhang mit Ádám Matolcsy, dem Sohn des Ex-Notenbankchefs, stehen. Gegen ihn wurde mittlerweile ein internationaler Haftbefehl durch die Zentrale Ermittlungsstaatsanwaltschaft ausgestellt.
Matolcsy war bereits im September im Zusammenhang mit einem Verfahren rund um die Erste Group und mutmaßlichen Amtsmissbrauch als Verdächtigter verhört worden. Dabei geht es um den Rücktritt des ungarischen Aufsichtsrates der Erste Group, András Simor. Dieser hatte nach eigenen Aussagen sein Mandat niedergelegt, nachdem die MNB Druck auf die Erste Bank Ungarn ausgeübt hatte. Grund dafür soll Simors Kritik am damaligen MNB-Chef Matolcsy gewesen sein.
Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Haft
Die Staatsanwaltschaft beantragte noch am Mittwoch die Verhängung der Untersuchungshaft. Das zuständige Gericht muss nun innerhalb einer 72-stündigen Frist über den Antrag auf U-Haft entscheiden. Mit einem Beschluss des Gerichtes wird voraussichtlich am kommenden Freitag gerechnet. In ungarischen Medien wird der Strafrahmen, der Matolcsy droht, mit fünf bis zehn Jahren beziffert.
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