Heute beginnen die Verhandlungen der Kollektivverträge im Handel – 420.000 Angestellte sind davon betroffen. Die Gewerkschaft will „die Kaufkraft der Beschäftigten stärken“, also mindestens 3,3% Plus. Die Arbeitgeberseite kann sich das aufgrund der Rahmenbedingungen nicht vorstellen.
Kassieren, beraten und Waren sortieren – und dann noch alles gleichzeitig: „Manche Mitarbeiter können nicht einmal zur Toilette gehen“, sagt Martin Müllauer, Vorsitzender des Bereichs Handel in der Gewerkschaft GPA. „Die Anforderungen an die Angestellten steigen.“ Mit 420.000 Arbeitnehmern ist der Handel der größte private Arbeitgeber im Land. Um 11 Uhr starten die Verhandlungen darüber, wie viel mehr Geld die Mitarbeiter bekommen.
Die Gehaltsabschlüsse lagen in der Branche – ähnlich wie in anderen – in den vergangenen drei Jahren unter der maßgeblichen Inflation. „Der Handel braucht einen Neustart“, sagt Linda Keizer, die die Verhandlungen auf der Arbeitnehmerseite leitet. „Wir sehen das zärtliche Pflänzchen eines Aufschwungs, aber er kommt nicht genug bei jenen an, die ihn erwirtschaftet haben.“
Im Einzelhandel arbeiten in Österreich zu 71% Frauen. 57% aller Angestellten arbeiten in Teilzeit. Das durchschnittliche Vollzeit-Gehalt betrug 2025 2568 Euro brutto. Eine klassische Verkäuferin mit 25 Stunden kommt allerdings auf 1237 Euro monatlich, die auf ihrem Konto landen, rechnet die Gewerkschaft vor. „Wir reden hier von Leuten, die sehr wenig Spielraum haben“, sagt Keizer.
„Kaufkraft stärken“
Keizers zentrale Forderung, mit der sie am Donnerstag um 11 Uhr in die Verhandlungen geht: 3,3 Prozent rollierende Inflation ausgleichen und die Kaufkraft stärken. „Die Angestellten im Handel legen das Geld nicht auf ein Sparkonto, sondern geben es aus.“ Was wiederum dem Handel zugutekommen würde, den Keizer als „wirtschaftlich solide“ bezeichnet.
Von einer Krise in die nächste
Anders sieht das naturgemäß Rainer Trefelik, der auf Seite der Arbeitgeber verhandelt. „Es wird für beide Seiten ein schwieriger Weg“, sagt er. „Die Erwartungen liegen weit auseinander.“ Man komme von einer in die nächste Krise, habe hohe Kosten und nur ein Prozent Wachstum für nächstes Jahr prognostiziert.
Während Rewe kürzlich beim Thema Öffnungszeiten vorgeprescht ist und Trefelik sich wiederholt für flexiblere Lösungen ausgesprochen hat, erteilt Keizer dem Thema eine Absage. „Wir sehen keinen Mehrwert darin, wenn der Umsatz nicht steigt, sondern sich nur verteilt.“ Der einzige freie Tage vieler Handelsmitarbeiter sei bedroht, wenn Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen.
Zur Verhandlungsmasse will die GPA die Öffnungszeiten nicht machen. Martin Müllauer sieht „harte Verhandlungen“ auf die Teams zukommen, lobt aber dennoch eine gute Gesprächsbasis. Drei Termine und ein Ersatztag sind angesetzt.
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