„Krone“-Interview

Fireboy DML: „Ich hatte Angst vor meinem 30er“

Musik
21.10.2026 09:38

Mit Hits wie „Peru“ und „Body“ eroberte Fireboy DML die internationalen Charts. Nun meldet sich der nigerianische Afrobeats-Star mit seinem fünften Album „ZUKO!“ zurück. Im Gespräch mit der „Krone“ verriet er, warum er Angst vor seinem 30. Geburtstag hatte, und sprach über Ed Sheeran und seine Selbstzweifel.

kmm

Ganz entspannt sitzt Fireboy DML vor seinem Bildschirm. Die Sonnenbrille hat er lässig aufgesetzt, schließlich ist es bei ihm in Los Angeles gerade Mittag. Der 30-Jährige wirkt ruhig, fast ein wenig zurückhaltend, als er sich aus seinem Zuhause zum Zoom-Interview mit der „Krone“ zuschaltet. Dabei gehört der Nigerianer längst zu den international erfolgreichsten Afrobeats-Künstlern. Seinen Durchbruch feierte er 2019 mit „Jealous“, mit „Peru“ an der Seite von Ed Sheeran eroberte er die internationalen Charts. Zahlreiche Auszeichnungen, Gold- und Platin-Erfolge sowie Auftritte auf den großen Bühnen dieser Welt folgten. Zuletzt sorgte er mit „Body“, gemeinsam mit Topic und Nico Santos, auch im deutschsprachigen Raum für Furore. Nun schlägt Fireboy DML mit seinem fünften Studioalbum „ZUKO!“ ein neues Kapitel auf. Warum ausgerechnet seine Kritiker bei der Namensgebung eine Rolle spielten, sollte mir „Fire“, wie ihn alle nennen, aber gleich verraten ...

„Krone“: Fire, am 16. Oktober ist dein fünftes Studioalbum „ZUKO!“ erschienen. Was unterscheidet es von deinen bisherigen Alben?
Fireboy DML: Jedes meiner Alben ist anders, weil es im Grunde eine Dokumentation meiner persönlichen Erlebnisse ist. Sie geben einen Einblick in mein Leben und zeigen, was in den zwei bis drei Jahren davor passiert ist. Bei „ZUKO!“ ist das nicht anders. Was dieses Album aber besonders macht, ist meine Entwicklung. Man hört nicht nur, wie ich musikalisch gewachsen bin, sondern erkennt auch, wie sehr sich meine Sicht auf das Leben verändert hat. Ich bin als Mensch gereift, und das spiegelt sich in diesem Projekt wider.

Was bedeutet eigentlich der Titel genau?
Der Name war ursprünglich eine Art Spottname (lacht), den mir rivalisierende Fans und Trolle in den sozialen Medien gegeben haben. Lustigerweise fand ich daran etwas, das zu meinem eigenen Leben gepasst hat. Also habe ich den Namen genommen und daraus eine eigene Figur, eine Art Alter Ego, geschaffen. Heute hat „ZUKO!“ nichts mehr mit der ursprünglichen Bedeutung oder dem Spott zu tun. Es ist eine Persönlichkeit, die ich für dieses Album entwickelt habe.

Du hast gesagt, dass mit diesem Album ein neues Kapitel deiner Karriere beginnt. Was hat sich für dich verändert?
Eine ganze Menge! Ich habe unglaublich viel gelernt und bin sowohl als Künstler als auch als Mensch gewachsen. Besonders habe ich verstanden, wie unterschiedlich die künstlerische und die geschäftliche Seite der Musikindustrie sind. Natürlich wusste ich schon immer, dass es da Unterschiede gibt, aber mittlerweile verstehe ich sie viel besser. Es geht darum, die richtige Balance zwischen Musik, Geschäft und dem eigenen Leben zu finden. 

Hinter dem ernsten Blick steckt auch Humor: Fireboy DML zeigte sich im „Krone“-Interview ...
Hinter dem ernsten Blick steckt auch Humor: Fireboy DML zeigte sich im „Krone“-Interview überraschend persönlich.(Bild: CEOJAY)

Gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders am Herzen liegt?
Ja, „One Man Regiment“. Ich glaube, wenn man sich das Album anhört, wird man sich zwischendurch vielleicht fragen: „Was ist eigentlich mit Fireboy los? Was ist mit diesem Typen passiert?“ (lacht). Aber sobald man bei diesem Song angekommen ist, ergibt plötzlich alles einen Sinn. Deshalb bedeutet er mir besonders viel.

Wie ist es denn zum neuen Werk überhaupt gekommen? Kannst du etwas über deinen kreativen Prozess erzählen? 
Ich habe vor etwa zwei Jahren in San Francisco mit der Arbeit begonnen. Ich liebe es, dort Musik zu machen. Die Studios und Büros von EMPIRE sind dort, die Menschen sind großartig und die Atmosphäre ist einfach besonders. Dort habe ich damals auch „Peru“ aufgenommen. Seitdem ist es für mich fast schon ein Ritual, dorthin zurückzukehren.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ed Sheeran bei dem Song „Peru“? Die Nummer ist ja ziemlich gut angekommen. 
Ein riesiges Geschenk. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Als Ed seine Strophe für den Song aufgenommen hat, wusste ich zunächst gar nichts davon. Aber genauso entstehen meiner Meinung nach die besten Zusammenarbeiten. Mir ist völlig egal, wie berühmt jemand ist. Wenn ich einen Song höre und eine Verbindung dazu spüre, dann möchte ich daran mitarbeiten. Bei „Peru“ war es genauso. Ed hat den Song gehört, ihn wirklich gemocht und wollte unbedingt dabei sein.
Danach haben wir über Instagram Kontakt aufgenommen. Innerhalb einer Woche trafen wir uns in New York und drehten gemeinsam das Musikvideo. Daraus ist eine richtig gute Freundschaft entstanden. Ed ist zwar nicht immer leicht zu erreichen, aber er ist ein wirklich guter Freund. Seitdem verstehen wir uns großartig.

Auch dein Song „Body“ mit Topic und Nico Santos war in Deutschland ein riesiger Erfolg. Wie kam es dazu?
Ganz ehrlich, das hat sich einfach ergeben. Die meisten Zusammenarbeiten meiner Karriere waren nicht groß geplant. Sie sind ganz natürlich entstanden, weil es einfach gepasst hat (lacht). Mir gefiel die Musik von Nico sofort, alles fühlte sich richtig an. Zum Glück ist der Titel in Deutschland richtig durch die Decke gegangen. Besonders überrascht hat mich das aber nicht, denn Europa hat meine Musik schon immer sehr unterstützt. Selbst meine stark vom Afrobeats geprägten Songs wurden in Deutschland und anderen europäischen Ländern sehr gut aufgenommen. Darüber freue ich mich unglaublich. Und ich habe auf meinem neuen Album ein paar Lieder, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie den europäischen Fans besonders gefallen könnten.

Hast du damit gerechnet, dass „Body“ genauso wie „Peru“ so erfolgreich wird?
Nein, überhaupt nicht. Als Gastkünstler wollte ich einfach meinen Teil dazu beitragen, dass es richtig gut wird. Ich habe mir keine großen Erwartungen gemacht. Vor einigen Jahren habe ich aufgehört, mir Gedanken darüber zu machen, wie erfolgreich ein Song werden könnte. Man weiß es ohnehin erst, wenn man ihn veröffentlicht.

Fünf Dinge, die man über Fire wissen sollte

  • Beschreibe dich in drei Worten:
    Ruhig, zurückhaltend und ein bisschen eigenwillig.
  • Deine größte Schwäche:
    Das kann ich in diesem Interview nicht verraten. Das wären zu viele persönliche Informationen. (lacht)
  • Dein Promi-Schwarm:
    Doja Cat.
  • Die berühmteste Person in deinem Telefon:
    Madonna.
  • Dein größter Traum:
    Den habe ich mir bereits erfüllt. Ich bin gesegnet, weil ich genau das machen darf, was ich in meinem Leben immer machen wollte. Ich kann mit meiner Leidenschaft meinen Lebensunterhalt verdienen und für mich und meine Familie sorgen. Mehr habe ich mir eigentlich nie gewünscht.

Versuchst du den Kontakt zu einigen Kollabo-Partnern stets zu halten? Oder verliert man sich dann aus den Augen? Ed ist ja dein Freund geworden, hast du gesagt.
Ja, natürlich. Nico und ich folgen einander und sprechen auch miteinander. Es ist jetzt nicht so, dass wir jeden Tag telefonieren, aber wir verstehen uns sehr gut. Eigentlich habe ich immer mit allen Künstlern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, ein gutes Verhältnis. Nächstes Jahr möchte ich mit einigen meiner musikalischen Partner auf Tour gehen. Es wäre großartig, wenn Nico und ich „Body“ endlich einmal gemeinsam live performen könnten. Am liebsten natürlich in Deutschland.

Vielleicht ja auch in Österreich? Warst du eigentlich schon einmal hier?
Nein, leider noch nie. Ich muss Österreich unbedingt einmal besuchen. In Deutschland war ich schon mehrmals, aber nach Österreich habe ich es bisher nicht geschafft – aber es ist schon lange auf meiner To-Do-Liste (lacht).

Du hast in deiner Karriere bereits zahlreiche Preise gewonnen. Was bedeutet dir eine solche Auszeichnung? 
Es fühlt sich großartig an und gibt einem unglaublich viel Kraft. Natürlich ist es schön, von den eigenen Fans unterstützt zu werden. Aber wenn auch Menschen aus der Musikbranche deine Arbeit anerkennen und auszeichnen, ist das etwas Besonderes. Trotzdem sind Preise natürlich nicht das Einzige, woran man Erfolg messen sollte.

2019 gelang dir mit „Jealous“ der große Durchbruch. Hättest du damals gedacht, dass du einmal international so erfolgreich sein würdest?
Ja, tatsächlich! Ich will nicht lügen, ich habe immer daran geglaubt. Ich weiß selbst nicht genau, woher diese Überzeugung gekommen ist.
Natürlich hatte ich auch Momente, in denen ich an mir gezweifelt habe. Manchmal hatte ich sogar nach Jahren des Erfolgs noch das Gefühl, meinen Erfolg nicht wirklich verdient zu haben. Aber tief in mir wusste ich immer, dass Musik meine Bestimmung ist.
Ich wusste, dass ich talentiert bin und dass ich das gut kann. Musik war für mich das Einzige, das wirklich Sinn ergeben hat. Ich habe mir all das schon damals vorgestellt: die vielen Flugreisen, die langen Nächte im Studio und die Auftritte vor Tausenden Menschen. Ich hatte dieses Leben immer vor Augen.

Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst, worauf bist du besonders stolz?
Das kann ich gar nicht an einem einzigen Moment festmachen. Jedes Mal, wenn mir etwas einfällt, denke ich schon wieder an ein anderes Erlebnis.
Ich habe gelernt, jede Phase meiner Karriere zu genießen. Die guten genauso wie die schlechten Zeiten. Denn genau das macht die Reise doch aus. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann war alles zusammen wunderschön – das Gute, das Schlechte und sogar die wirklich hässlichen Momente.

Afrobeats ist mittlerweile auf der ganzen Welt unglaublich populär. Warum lieben die Menschen diese Musik deiner Meinung nach so sehr?
Ich glaube, weil diese Musik einfach gute Laune macht. Afrobeats schreibt dir nicht vor, in welcher Stimmung du sein musst. Die Musik sorgt einfach dafür, dass du dich besser fühlst, dich bewegen und deine Sorgen für einen Moment vergessen möchtest.
Viele Menschen wollen Musik hören, bei der sie nicht ständig über ihre Probleme nachdenken müssen. Die Trommeln, die Percussion und die Rhythmen afrikanischer Musik haben diese besondere Energie. Wir lieben es, zu tanzen und das Leben zu genießen. Und ich glaube, genau dieses Gefühl verbindet Menschen auf der ganzen Welt.

Fire, was machst du eigentlich, wenn du gerade keine Musik produzierst? Wie entspannst du dich?
Normalerweise bin ich ein ziemlicher Stubenhocker. Ich spiele Videospiele, schaue Serien oder lese Bücher. Seit ich in Los Angeles bin, unternehme ich aber viel mehr. Ich gehe wandern, spiele wieder öfter Fußball und besuche Veranstaltungen. In Los Angeles ist ja ständig irgendetwas los. Ich gehe auch gerne einfach spazieren und probiere neue Dinge aus. Und dann gibt es natürlich noch ein paar kleine Abenteuer, über die ich in diesem Interview lieber nicht spreche (lacht).

Du bist heuer 30 geworden. Wie fühlst du dich damit? Was hat sich für dich verändert?
Ganz ehrlich? Ich hatte richtig Angst vor meinem 30. Geburtstag. Ich habe mich überhaupt nicht darauf gefreut. Aber jetzt muss ich sagen: So schlimm ist es gar nicht (lacht). Ich fühle mich immer noch jung. Jung genug, um dumme Fehler zu machen (lacht). Nein, im Ernst: Seit ich 30 bin, ist mir klar geworden, dass das überhaupt nicht alt ist. Ich habe noch so viel vor mir und hoffentlich noch ein langes Leben.

Können wir denn darauf hoffen, dass du vor deinem 40 noch bei uns in Wien vorbeschaust und eventuell auch live auftrittst?
Ja, auf jeden Fall! Ich werde in Europa auf Tour gehen und freue mich schon sehr darauf. In Deutschland werde ich definitiv auftreten, dort bin ich bei meinen Europatourneen eigentlich immer. Es wäre aber wirklich schön, auch in Österreich vorbeizuschauen und Hallo zu sagen – ich kläre das gleich mit meinem Management. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung