In Zeiten des Klimawandels und der schwindenden Gletscher sorgen diese Bilder derzeit für große Aufregung und Irritation: Aufnahmen zeigen, wie an der Gletscherzunge des Mittelbergferners am Pitztaler Gletscher gearbeitet wird. Mit einem Bagger! Während die Betreiber die Maßnahmen als notwendig bezeichnen, äußern Umweltschützer Bedenken.
Ein Bagger auf dem Eis, Schaufelbewegungen im hochalpinen Gelände: Bilder einer Webcam am Pitztaler Gletscher haben insbesondere in sozialen Medien zahlreiche teils heftige Reaktionen ausgelöst. Wie der ORF Tirol berichtet, sei die Baumaschine seit Montag bei Arbeiten an der Zunge des Mittelbergferners zu sehen.
Die Aufnahmen werfen Fragen auf: Warum wird auf einem Gletscher gebaggert, der ohnehin unter dem Klimawandel leidet? Und wie lassen sich die Eingriffe mit dem Schutz der empfindlichen Hochgebirgslandschaft vereinbaren? Online hagelt es jedenfalls gewaltige Kritik am Vorgehen.
Beschwerden bei Umweltanwalt und Behörde
Die Bilder sorgten aber nicht nur in den sozialen Medien für Diskussionen. Auch etwa der Österreichische Alpenverein beschäftige sich inzwischen mit dem Fall. Laut ORF seien zudem mittlerweile Beschwerden bei der Landesumweltanwaltschaft und der Bezirkshauptmannschaft Imst eingebracht worden.
Kritisches Spannungsfeld im Hochgebirge
Die Kritik richtet sich vor allem gegen Eingriffe in eine Landschaft, die sich durch die steigenden Temperaturen bereits massiv verändert. Der Gletscherrückgang macht ehemals eisbedeckte Flächen zunehmend zu Fels- und Schuttlandschaften. Baumaßnahmen in diesem Bereich stehen deshalb besonders im Spannungsfeld zwischen touristischer Nutzung und Naturschutz.
Die Landesumweltanwaltschaft verwies laut ORF auf die besondere Schutzwürdigkeit des Gletscherbereichs. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Arbeiten der Sicherung eines Notwegs dienen könnten. Die Umweltanwaltschaft verwies auf die Prüfung durch die BH Imst.
So reagieren die Gletscherbahnen
Die Pitztaler Gletscherbahnen erklärten gegenüber dem ORF, dass es sich um notwendige Instandhaltungsmaßnahmen handeln würde. Konkret gehe es darum, einen Notweg innerhalb des Skigebiets zu sichern. Aufgrund des fortschreitenden Gletscherrückgangs sei die Maßnahme notwendig, um den Betrieb aufrechterhalten zu können.
Keine gesonderte Bewilligung nötig
Auch das Land Tirol bestätigte laut ORF, dass die Arbeiten dazu dienen, die Verbindung der Wegtrasse zwischen dem Gletschereis und dem bereits eisfreien Gelände wiederherzustellen. Eine gesonderte naturschutzrechtliche Bewilligung sei für diesen Eingriff nach Angaben des Landes nicht erforderlich. Alle Gletscherskigebiete seien behördlich verpflichtet, eine Dreijahresvorschau der geplanten Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen vorzulegen und genehmigen zu lassen. „Dies gilt auch für den Pitztaler Gletscher und wird dort ebenso gehandhabt.“
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