Oft hat Karin Kneissl Österreich ausgerichtet, wie sehr sie ihre neue Heimat Russland schätzt, wie aufgenommen und willkommen sie sich fühlt. Das dürfte aber nicht immer der Fall gewesen sein: In einem Interview spricht die Ex-Außenministerin erstmals darüber, wie schwer ihr Leben nach dem Auswandern war. Zeitweise dürfte sie – eigenen Angaben zufolge – nicht einmal ein Dach über dem Kopf gehabt haben.
August, 2023: Kneissl erreicht bei sengender Hitze mit einem gemieteten Auto und nur zwei Koffern sowie zwei Hunden im Gepäck ein Dorf unweit der russischen Stadt Kasimow. Dort erspäht sie eine Ziege, die, wie sie später erfahren würde, den Namen „Manja“ trägt. Der ehemaligen Politikerin scheint es, als würde ihr das Tier „herzlich willkommen“ sagen. Und da denkt sich Kneissl, dass sie bleiben sollte. Hier wartete zumindest schon ein tierischer Freund auf sie, berichtet das russische Nachrichtenportal „360.ru“.
Um die 1000 Kilometer hatte die ehemalige Politikerin mit dem Fahrzeug zurückgelegt. Ganz allein, ohne der russischen Sprache mächtig zu sein. Zwar arbeitete die Ex-Ministerin damals bereits an einer Universität in Sankt Petersburg. Wohnen wollte sie dort aber nicht. Immer schon zog es sie aufs Land, um dort in enger Verbundenheit mit ihren Vierbeinern zu leben.
Wir waren auch im Libanon, ohne Strom, unter Bomben.

Ex-Außenministerin Karin Kneissl
Bild: APA/Georg Hochmuth
„Als ich überlebt habe auf der Straße, als ich auf einer Matratze direkt auf der Straße geschlafen habe, habe ich das nur dank meinen Hunden durchgestanden“, erklärt sie in einem von „360.ru“ ausgestrahlten Video. Das sie – mit einem Foto des Kremlchefs Wladimir Putin im Hintergrund – in einem Gespräch mit Journalisten zeigt.
Hier ist das ganze Video:
Bei Bombenhagel im Libanon
Ihr Zuhause, ihr Ruf und das Gefühl von Stabilität waren verloren gegangen. Doch selbst in den dunkelsten Stunden blieben die Hunde immer an ihrer Seite. „Wir waren auch im Libanon, ohne Strom, unter Bomben“, sagt Kneissl. Und gemeinsam in Sankt Petersburg, wo sie drei Monate im Rollstuhl gesessen sei.
Im Jahr 2024 bezog Kneissl ein gemütliches Häuschen in der Oblast Rjasan. Dort sei nun ihr Lebensmittelpunkt. Hunde, Hühner, Ponys und sogar ein Pfau namens „Salvatore Ferragamo“ zählen zu ihrer tierischen Familie. „Jetzt kann ich nur um meiner selbst willen weitermachen. Den klaren Verstand bewahren und nett sein. Aber nicht zu sehr“, so die Ex-Ministerin.
Im Dienst der russischen Propaganda?
Kneissl war von 2017 bis zum Ibiza-Skandal 2019 Österreichs von der FPÖ nominierte Außenministerin. Kritiker sehen sie ganz im Dienst der russischen Propaganda stehen. Nicht nur hatte sie Russlands Präsident Wladimir Putin 2018 zu ihrer Hochzeit in die Steiermark – samt Knicks – eingeladen, sondern ihn auch mehrmals persönlich getroffen.
„Im September 2020 verließ Karin Kneissl aufgrund anhaltender Morddrohungen und eines faktischen Arbeitsverbots in Österreich unfreiwillig ihr Heimatland“, heißt es auf ihrer offiziellen Homepage. Sie übersiedelte zunächst nach Frankreich, dann in den Libanon und schließlich nach Russland. Dort leitet sie heute den Thinktank „Gorki-Zentrum“.
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