Repressalien in Moskau
Chefredakteur kommt nach Verhaftung in Redaktion
Der Chefredakteur der unabhängigen russischen „Nowaja Gaseta“, Sergej Sokolow, ist nach Angaben der Zeitung am Donnerstag festgenommen worden.
Um die Mittagszeit, kurz vor einer Redaktionssitzung, die er leiten sollte, sei der Kontakt zu Sokolow plötzlich abgebrochen. Ein Anwalt sei auf dem Weg, gab die „Nowaja Gaseta“ zunächst im Onlinedienst Telegram bekannt.
Nach der Durchsuchung seiner Wohnung habe man den Mann abgeführt und zum Ermittlungskomitee in Moskau gebracht. Die Sorgen waren groß: Nach Angaben der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen war Sokolow schon 2024 wegen „Diskreditierung der Streitkräfte“ festgenommen worden.
Später stellte sich heraus, dass der russische Journalist wieder entlassen wurde. Er sei als Zeuge über den Kollegen Oleg Roldugin vernommen worden. Einzelheiten dazu dürfe er nicht nennen.
Hier ist Roldugin zu sehen:
Roldugin hatte zu mächtigen russischen Beamten recherchiert und mutmaßliche Korruptionsfälle aufgedeckt. Ermittler werfen ihm vor, illegal Informationen zusammengetragen zu haben. In Kürze soll die Anklage in ihrer endgültigen Fassung vorgelegt werden.
„Ausländischer Agent“
Die „Nowaja Gaseta“ war viele Jahre Russlands führendes unabhängiges Medium. Wegen der Recherche und der kritischen Berichterstattung zur Menschenrechtslage in Russland stand die Zeitung stark unter Druck. Sie stellte die Produktion im Inland ein, nachdem Russland zu Beginn seiner Offensive gegen die Ukraine im Jahr 2022 die militärische Zensur eingeführt hatte. Im Internet gibt es sie aber weiter. Die russischen Behörden stufen die Zeitung als sogenannten ausländischen Agenten ein.

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