„Boot wurde bedrängt“
Sea-Watch rettet in 48 Stunden 227 Menschen
Die Crews der Sea-Watch-Schiffe „Sea-Watch 5“ und „Aurora 2“ haben zwischen Sonntagnachmittag und Montagabend insgesamt 227 Menschen aus fünf Booten in Seenot in internationalen Gewässern im zentralen Mittelmeer gerettet. Während des Rettungseinsatzes sei das Boot von Schiffen der Behörde „gezielt als Waffe eingesetzt“ worden.
„Während der Rettungseinsätze wurden beide Sea-Watch-Schiffe von nicht identifizierten Booten bedrängt. In einem Fall drohte ein Akteur, der sich als libysche Marine ausgab, der „Sea-Watch 5“ mit strafrechtlicher Verfolgung in Tripolis“, berichtete die deutsche NGO „Sea-Watch“.
Hafen nahe Rom zugewiesen
Die italienischen Behörden haben der „Sea-Watch 5“ den Hafen Civitavecchia nördlich von Rom zugewiesen, der etwa drei Tage Fahrt entfernt liegt. Der „Aurora 2“ wurde der Hafen Lampedusa zugewiesen, den sie am Montagabend erreichte.
1982 Menschen im Mittelmeer gestorben oder vermisst
Laut dem Projekt „Missing Migrants“ der Internationalen Organisation für Migration sind seit Beginn des Jahres 2026 mindestens 1982 Menschen im Mittelmeer gestorben oder werden vermisst.
„Schiff als Waffe eingesetzt“
„Die Rettung von 227 Menschen innerhalb von nur 48 Stunden zeigt, wie dringend Rettungsschiffe im Mittelmeer gebraucht werden. Trotzdem schicken die italienischen Behörden unser Schiff in einen rund 900 Kilometer entfernten Hafen und setzen damit Entfernung gezielt als Waffe gegen zivile Seenotrettung ein. Dringend benötigte Rettungskapazitäten bewusst einzuschränken, ist eine politische Entscheidung mit tödlichen Konsequenzen“, betonte Julia Winkler, Sprecherin von Sea-Watch.
- Am Sonntag rettete die Crew zunächst 28 Menschen aus einem sinkenden Boot, nachdem ein Flugzeug der Organisation „SOS Mediterranee“ den Seenotfall gemeldet hatte. Nach einem weiteren Notruf rettete sie 51 weitere Menschen. Vor der zweiten Rettung umkreiste ein nicht identifiziertes Boot wiederholt die „Sea-Watch 5“.
- Am Montagmorgen wurde die „Sea-Watch 5“ über ein weiteres Boot in Seenot in einem Gebiet mit beschränktem Zugang nahe einer Offshore-Ölplattform informiert. Die „Aurora 2“ rettete am Montag bei zwei Einsätzen weitere 76 Menschen. „Während der ersten Rettung näherte sich der ‘Aurora 2‘ ein nicht identifiziertes, dunkelgraues Glasfaserboot mit vier Personen an Bord, ohne Kontakt aufzunehmen.“ Am selben Abend stabilisierte die Crew ein sechstes Boot in Seenot.

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