Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Eritrea und Äthiopien spitzt sich der Konflikt am Horn von Afrika weiter zu. Eritreas Außenminister fordert nun ein Eingreifen der Vereinten Nationen und wirft dem Nachbarland eine Kriegserklärung vor.
In einem Brief an den UNO-Sicherheitsrat hat Eritreas Außenminister Osman Saleh ein entschiedenes Vorgehen gegen Äthiopien verlangt. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen solle die vermeintliche Kriegserklärung „kraftvoll verurteilen“ und entsprechende Abschreckungsmaßnahmen ergreifen. Die Forderung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den beiden ostafrikanischen Staaten.
Saleh berief sich dabei auf Kapitel VII der UNO-Charta. Dieses ermöglicht dem Sicherheitsrat weitreichende Maßnahmen gegen Staaten, die den Weltfrieden bedrohen. Das Spektrum reicht von Wirtschaftssanktionen bis hin zu militärischer Gewalt. In der Praxis scheitern solche Schritte allerdings häufig am Vetorecht der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats.
Streit um Tigray und Zugang zum Roten Meer
Erst in der Vorwoche hatten Eritrea und Äthiopien ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht unter anderem die Region Tigray. Die Regierung in Addis Abeba wirft dem kleineren Nachbarland vor, die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) zu unterstützen, die auch in Äthiopien aktiv ist.
Darüber hinaus verschärfen Äthiopiens Bemühungen um einen direkten Zugang zum Roten Meer die Spannungen. Das Land hatte diesen Zugang mit der Unabhängigkeit Eritreas verloren. Mit mehr als 130 Millionen Einwohnern ist Äthiopien heute das bevölkerungsreichste Binnenland der Welt.
Zwei Kriege, Zehntausende Tote
Die beiden Nachbarländer verbindet eine lange und blutige Konfliktgeschichte. Eritrea hatte sich Anfang der 1990er-Jahre nach einem rund drei Jahrzehnte dauernden Krieg von Äthiopien abgespalten und 1993 seine Unabhängigkeit erklärt. Ein Grenzkonflikt führte von 1998 bis 2000 zu einem erneuten Krieg, bei dem rund 80.000 Menschen ums Leben kamen.
Erst 2018 nahmen die beiden Staaten wieder diplomatische Beziehungen auf. Der damalige Friedensschluss brachte dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed im Jahr darauf den Friedensnobelpreis ein. Nun droht die Beziehung zwischen den einstigen Kriegsgegnern erneut zu zerbrechen. Ob der UNO-Sicherheitsrat auf Eritreas Forderung reagieren wird, ist offen.
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