Die anhaltenden, von Gewalt begleiteten Schülerproteste in Frankreich haben die Regierung zum Handeln gezwungen. Premierminister Sébastien Lecornu sicherte bessere Lernbedingungen zu. Mehr Geld für Bildung – wie von den Demonstranten verlangt – will er aber nicht locker machen.
„In den acht Monaten, die uns noch bis zur Präsidentschaftswahl verbleiben, wird die Regierung pragmatisch handeln, um den Erwartungen der Gymnasiasten gerecht zu werden“, sagte Lecornu am Mittwochabend in einer Ansprache.
Zehn Milliarden mehr verlangt
Im Bildungsbereich seien im kommenden Haushalt Mehrausgaben von 1,2 Milliarden Euro vorgesehen, das Ressort sei damit eines der wenigen mit einem wachsenden Budget, sagte Lecornu. Die Bildungsgewerkschaften hatten zehn Milliarden Euro Zusatzausgaben verlangt. Angesichts der hohen Staatsverschuldung ringt die Regierung mit einem Sparhaushalt.
Um die Lage an den Schulen zu verbessern, solle es mehr Vertretungslehrer, bauliche Maßnahmen an Gebäuden, überarbeitete Stundenpläne, eine Verbesserung des universitären Zulassungsverfahrens „Parcoursup“ sowie mehr Mitsprache für die Schüler geben, sagte Lecornu.
Wut kommt nicht aus dem Nichts
Die Wut der Jugendlichen käme nicht aus dem Nichts. „Niemand kann ihren Ängsten gegenüber gleichgültig bleiben. Sie waren Kinder oder standen während der Corona-Pandemie am Beginn ihrer Jugend; wir haben ihnen erhebliche Anstrengungen abverlangt, und seitdem sehen sie Kriege, den Klimawandel und manchmal auch ihre Angehörigen in Not.“
„Trotz dieser Ängste verlangen wir von ihnen, ihren Weg zu wählen und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Die Verantwortung der Regierung und der politischen Parteien muss darin bestehen, dieses Vertrauen wiederherzustellen, und das beginnt damit, ihnen zuzuhören“, sagte Lecornu. Er verwies auf eine Onlineplattform, auf der Schüler seit Montag ihre Probleme und Forderungen schildern können und auf der bereits 40.000 Reaktionen eingegangen seien.
Proteste gehen weiter
Nach der Ankündigung von Bildungsgewerkschaften sollen die Proteste am Donnerstag weitergehen. Die Gymnasialgewerkschaft USL rief für den Nachmittag zu einer Kundgebung in Paris auf dem Place de la Bastille auf.
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