Das Vorarlberger Festival „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“ startet am Donnerstag in seine aktuelle Ausgabe. Es gibt wieder viel aufregende und spannende – auf jeden Fall ungewöhnliche Musik zu erleben.
Georg Friedrich Haas, der im Montafon aufgewachsene Komponist, hat 1991 die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik gegründet. Nun ist er ein international vielbeachteter Komponist, für Mirela Ivičević der „vielleicht größte zeitgenössische Komponist“. Sein Werk „11000 Saiten“ würde die in Wien lebende Kroatin gerne einmal in Vorarlberg realisieren. Freilich passen die hierfür geforderten mikrotonal gestimmten 50 Konzertflügel nicht in die Remise Bludenz, dem Austragungsort der „Tage“.
Doch vielleicht steigen ja die Bregenzer Festspiele in dieses Projekt ein, wie schon einmal, als Alexander Moosbrugger, der Leiter der „Bludenzer Tage“ von 2007 bis 2014, seine aufwändige Oper „Wind“ im Jahr 2021 auf der Werkstattbühne realisieren konnte. Haas’ Klaviere sind also bislang ein Traum, doch Mirela Ivičević ist eine Frau mit mutigen Visionen. „The sky is the limit“ sagt sie, und im Jahr 2026 nun will sie Türen öffnen. „Narnia-Türen“ nennt sie diese, die neue Universen eröffnen. Sie lassen beispielsweise mit dem Stück „Salad“ von Margarethe Ferek-Petrić in die Welten von Gertrude Stein und Laurie Anderson blicken, öffnen mittels Violine (Sophie Schafleitner) und Akkordeon (Krassimir Sterev) den Mikrokosmos der Honigbienen: eine Komposition von Liza Lim mit dem Titel „Fake Meadow“.
In mehreren Werken spielt Elektronik eine wichtige Rolle. Vor allem am Herzen liegt Ivičević die Arbeit mit jungen Komponisten. In Bludenz haben sie die Gelegenheit, an ihren Werke mit so wichtigen Leuten wie den Komponisten Clemens Gadenstätter und dem Quatuor Diotima zu feilen. Beim letzten Konzert der Reihe erklingen die Arbeiten der sechs Teilnehmer, danach je ein Stück von Lisa Streich und Clemens Gadenstätter. Mit dem Quatuor Diotima ist eine der derzeit profiliertesten Quartettformationen zu erleben.
Wenig Vorarlberg-Bezug
Dass die „Bludenzer Tage“ wenig Bezug zu Vorarlberg haben, seitens der Komponisten, der Mitwirkenden wie auch des Publikums, ist nicht von der Hand zu weisen. Mirela Ivičević hält dagegen: „Ein international etabliertes Festival in der Stadt mit einem stark international geprägten Programm hat einen unersetzlichen Wert, auch für die lokale Gemeinschaft.“
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