Von Unternehmen

Jede fünfte Rechnung wird zu spät bezahlt

Wien
07.10.2026 13:59

Die finanzielle Lage spitzt sich für Unternehmen in einigen Branchen weiter zu, die Zahlungsmoral sinkt merklich. Ist eine Besserung in Sicht?

Die Inflation steigt, die Kaufkraft wird geschmälert – Betriebe stehen unter großem Druck. Das geht aus dem aktuellen Austrian Business Check des KSV1870 hervor. Daran haben im August 1000 Unternehmen teilgenommen.

Klar ist: Die Geschäftslage ist so schlecht wie fast noch nie – mit der Ausnahme des Coronajahres 2020. Lediglich 42 Prozent der Betriebe schätzen im landesweiten Schnitt ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut ein. Das sind um fünf Prozent weniger als noch vor einem Jahr. In Wien sind es gar nur 37 Prozent.

Zitat Icon

Dass bereits jede fünfte Rechnung nicht fristge- recht bezahlt wird, ist Ausdruck der finanziellen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre.

Ricardo-José Vybira, KSV-Geschäftsführer

„Die Inflation, der anhaltend schwache Konsum und die erneute Verschärfung der Öl- und Energiepreise haben dazu geführt, dass die Geschäftslage auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen ist“, erklärt Ricardo-José Vybira, KSV-Geschäftsführer. Die Wirtschaftslage wirkt sich auch auf die Zahlungsmoral aus – jede fünfte Rechnung von Betrieben wird zu spät bezahlt. Im Vorjahr war es noch jede sechste. Auch die Zahlungsdauer hat sich in Wien auf 30 Tage verlängert.

Unterschied zu Privaten und Gemeinden
Eine löbliche Ausnahme sind jedoch die Privatpersonen. 86 Prozent aller Rechnungen von dieser Gruppe werden pünktlich bezahlt. „Der Großteil der Personen kommt seinen Verpflichtungen mehr oder minder pünktlich nach und begleicht Rechnungen zeitnah, obwohl die finanziellen Belastungen auch für sie in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind“, so Walter Koch, Geschäftsführer der KSV Forderungsmanagement GmbH. Wiener zahlen im Schnitt ihre offene Forderung binnen zwölf Tagen, Tiroler erst nach 21 Tagen, Steirer sind mit zehn Tagen am pünktlichsten.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Bund und Länder überschreiten jedoch oft das gesetzliche Zahlungsziel von 30 Tagen und verschärfen damit die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation der Betriebe zusätzlich. Wien zählt zu den fünf Bundesländern, die das gesetzliche Zahlungsziel von 30 Tagen ignorieren und im Schnitt 33 Tage für die Begleichung benötigen.

Wenig Kaufkraft, kaum Gewinn
Ein weiteres Problem ist, dass die Kaufkraft abnimmt. Die Hälfte der Befragten gab an, heuer weniger zu kaufen als im Vorjahr. Das spüren vor allem der Handel und die Gastronomie besonders (siehe Grafik). Nur 55 Prozent der Unternehmen werden dieses Geschäftsjahr mit einem Gewinn abschließen. Zum Vergleich: 2021 waren es noch 63 Prozent.

Blick in die Zukunft
Und auch der Blick in die Zukunft sieht nicht ganz so rosig aus. 53 Prozent der Befragten erwarten sich für 2027 eine unverändert gute beziehungsweise verbesserte Zahlungsmoral. Rund ein Drittel blickt aber sorgenvoll ins neue Jahr und rechnet mit einer Verschlechterung – vor allem in der Gastronomie und Hotellerie. Positiv gestimmt sind hingegen die produzierenden Betriebe.

Ein Aspekt ist zudem die Künstliche Intelligenz. Immer mehr würden sie für einen Einspruch zu einer offenen Forderung nutzen. Das braucht mehr Ressourcen und verlängert Verfahren.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung