„Krone“-Interview

Onk Lou & Elto: Heute mit Herz, morgen mit Hirn

Musik
09.10.2026 05:00

Onk Lou und Elto mögen auf den ersten Blick nicht allzu viel gemeinsam haben, doch die Liebe zur Musik hat sie zueinander geführt. Anfangs war da großer gegenseitiger Respekt, am Ende steht das gemeinsame Album „Reminder“. Im Doppelinterview sprechen sie über ihre Bromance und wie es überhaupt soweit kam.

kmm

Normalerweise laufen Musikerbekanntschaften in Backstagebereichen nach einem ganz klaren Schema ab. Musiker A geht auf Musiker B zu, lobt jenen für seinen tollen Sound und die Top-Performance. B kann das A nur zurückgeben und applaudiert ehrlich, aber pflichtschuldig. A sagt zu B, er käme mal bei ihm rum, man könne ja mal einen Song schreiben. B ist begeistert und freut sich – in der Realität passiert nie wieder was. Bis sich die genannte Ausgangsszenerie vielleicht ein paar Jahre später von Neuem wiederholt. Nicht so bei Onk Lou und Elto. Die beiden sind sich vor einigen Jahren in Salzburg begegnet, hatten aber dank Onk Lou ein Happy End, wie er der „Krone“ im gemütlichen Doppelinterview verrät. „Ich hatte eine Deutschland-Tour und Dresden war meine letzte Station. Also bin ich von dort mit dem Flixbus nach Berlin und war bei ihm. Der gebürtige Kärntner wiederum zeigte sich überrascht. „Bei mir kommen oft Leute vorbei, weil sie in Berlin Party machen wollen und ein Bett für ein paar Nächte brauchen – Lou kam aber an und sagte, wir schreiben jetzt einen Song. Dann ist es tatsächlich so passiert.“

Niederösterreich plus Kärnten ist Album
Das ist freilich noch nicht der ganze Weg zum gemeinsamen Album „Reminder“, aber es war der notwendige und entscheidende Baustein für diese eher unübliche Kooperation. Den Ollersdorfer Onk Lou kennt man als einen der profiliertesten englische Texte schreibenden Singer-Songwriter des Landes, als er während der Corona-Pandemie mit dem Rad durch das ganze Land fuhr, um Konzerte zu geben, sorgte er zusätzlich für Aufmerksamkeit. Elto heißt eigentlich Manuel Elhami, kommt aus Kärnten, zog der Karriere wegen vor einigen Jahren nach Berlin und ist musikalisch eher im leichtfüßigeren Pop-Bereich unterwegs. Dass diese beiden so unterschiedlich wirkenden, aber so ähnlich tickenden Charaktere gemeinsam so weit kommen würden, hätten sie sich bis vor nicht allzu langer Zeit sicher selbst nicht gedacht. Als es ernst wurde, packte Elto sein Heimstudio zusammen und übersiedelte mit Onk Lou temporär von Berlin in ein Haus in Spital an der Drau im Kärnten, wo aus gegenseitiger Sympathie eine Freundschaft und eine kreative Partnerschaft erwuchs.

Mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein diskutierten die beiden im renommierten Café Goldegg ...
Mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein diskutierten die beiden im renommierten Café Goldegg augiebig über Freundschaft und Arbeit.(Bild: Mario Urbantschitsch)

„In Kärnten gab es den Realitätscheck“, lacht Elto, „man weiß erst nach längeren Treffen, wie jemand wirklich tickt und wir haben erst einmal Stunden draußen auf der Terrasse verbracht. Rauchen, quatschen, quatschen und noch mehr quatschen.“ So entstand etwa der Album-Opener „Carry Me Home“. Onk Lou schleppte das Riff für den Song schon jahrelang mit sich herum, es sollte einfach nicht passen. Doch in der Gemeinschaft mit Elto und beim Brainstorming ergab sich eine Lösung. Die beiden reden ohne Punkt und Komma über ihre Leben, Erfahrungen, Ansichten, Werte, Wünsche, Ängste, Hoffnungen und Pläne. Daraus ergeben sich unweigerlich viele Ähnlichkeiten, wodurch das Duo auch beim Texten einen Weg fand, zusammenzuarbeiten. Apropos zusammen. Das war für die zwei Herren, die das Alleinarbeiten gewohnt sind, nicht immer so einfach. „Man muss sich zurückstellen und Kompromisse eingehen, anders ist das gar nicht möglich“, bekräftigt Elto, „natürlich herrscht da zwischendurch mal dicke Luft, aber so bleibt alles fair und im Fluss.“

Selbst sind die Männer
Dass die beiden keine 20 mehr sind und jeder für sich viele Erfahrungen im Musikgeschäft gesammelt hat, hat der Partnerschaft in puncto Aufteilung und Lösungsorientiertheit sicher nicht geschadet. „Man muss aber auch wissen, dass nicht immer alle nur Babypopo ist. Da geht es schließlich um die Arbeit.“ Die nahmen beide äußerst ernst. „Inspiration und Leidenschaft müssen sich die Waage halten“, so Onk Lou, „ich gehe am liebsten vor nach dem Motto: ,Heute mit Herz, morgen mit Hirn.‘ Das bedeutet, dass wir zwar auf den Instinkt vertrauen und die ersten Takes meist die besten sind, es aber trotzdem Sinn macht, eine Nacht darüber zu schlafen und am nächsten Tag noch einmal analytisch an die Sache ranzugehen.“ Da es an weiteren budgetären Mitteln fehlte, hat Elto auch die Produktion übernommen. „Natürlich ist man dann irgendwann in einem Tunnel und weiß nicht mehr genau, was richtig und falsch ist, aber wir haben all die Probleme sehr gut gelöst.“

Aus den beiden unterschiedlichen Charakteren wurden Freunde fürs Leben, die auch ein ...
Aus den beiden unterschiedlichen Charakteren wurden Freunde fürs Leben, die auch ein musikalisches Band verbindet.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Die erste Single war „Victory Lap“ und für die beiden Musiker gleich Programm. „Wir haben schon gewonnen. Bevor ich Elto kennenlernte, hatte ich schon Kollaborationen, aber ich hätte mir nie gedacht, dass daraus ein ganzes Album entstehen könnte.“ Doch was hat es mit dem Albumtitel „Reminder“ auf sich? „Natürlich geht es um Vergänglichkeit“, präzisiert Onk Lou, „irgendwann ist alles vorbei und man sollte das festhalten, was man im Leben hat. Das kann auch die Musik sein. Es geht auf diesem Album viel um Familie, Gemeinschaft, aber auch um Verzweiflung. All diese Werte haben wir gemeinsam gesammelt und sie dann wie einen Reminder für das Album eingesetzt.“ Der erste Song, den man für das Werk schrieb, war „Good Enough“. Eine ehrliche, aber nicht unbedingt positive Bestandsaufnahm der derzeitigen Situation im Musikbusiness. „Es ist immer das Gefühl da, das man nicht reicht. Dass ein Album therapeutisch sein kann, ist kein Klischee, aber ich verwende dieses Wort dafür eigentlich nicht so gerne.“

Abgeschlossenes Projekt
Ob nun Therapie oder nicht – „Reminder“ ist ein in Pop-Strukturen eingegossenes Singer-Songwriter-Album, das zwei leicht konträre Charaktere zu ziemlich besten Freunden werden ließ und die nebenbei noch beweisen, dass man für neue Frische in so manch eingestaubten Zahnrädern nur ein paar eher ungewöhnlichen Gedankengängen und Ideen folgen sollte. „Das Album konnte nur jetzt und so passieren“, sind sich beide einig, „das Alter und andere Dinge im Leben hätten das früher nicht so zugelassen.“ Ob es in dieser Tonart weitergeht, vermögen derzeit beide nicht zu versprechen. „Wir haben jetzt gut zwei Jahre unserer Leben intensiv an diesem Projekt gearbeitet, jetzt werden wir wahrscheinlich auch wieder andere Dinge in Angriff nehmen. Es ist hier alles in sich abgeschlossen und das fühlt sich gut an. Es ist eine schöne Momentaufnahm unseres Lebens und was jetzt kommt, wissen wir nicht.“

Album-Release-Show in Wien
Der nächste Schritt ist jedenfalls, das Album live vorzustellen. Das machen die beiden am 12. November in der kleinen Halle der Arena Wien – da werden wahrscheinlich auch schon langsam die Tickts knapp (Tickets unter www.oeticket.com). Sich dafür zu beeilen, lohnt sich. Den Rest über beider Zukunft wissen nur die Sterne …

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