
Seit 120 Jahren ist die älteste Buchhandlung des Burgenlandes in Familienbesitz. Heute führt Jürgen Pokorny das Oberwarter Traditionsgeschäft in vierter Generation und setzt der Konkurrenz aus dem Netz persönliche Beratung, ein ausgewähltes Sortiment und viel Leidenschaft entgegen.
Mehr als 5000 Bücher hat Jürgen Pokorny zu Hause. Wie viele er gelesen hat, kann der Oberwarter längst nicht mehr sagen. Bücher sind für ihn nicht nur Beruf, sondern Leidenschaft. Und Familiensache: Seit 120 Jahren verkauft seine Familie in Oberwart Literatur. 1906 eröffnete sein Urgroßvater Franz Stehlik am Hauptplatz die Buchhandlung, damals noch samt Buchbinderei. Es folgten der Großvater, Mutter Inge und schließlich Jürgen Pokorny. Heute führt er in vierter Generation die älteste noch in Familienbesitz befindliche Buchhandlung des Landes.
Dass es sie nach 120 Jahren noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. „Die Konkurrenz ist schon groß“, sagt Pokorny. Vor allem Onlinehandel und Einkaufszentren setzen dem stationären Buchhandel zu.
Im Burgenland gibt es nur noch eine Handvoll Buchhandlungen in Familienbesitz. Pokorny setzt auf das, was kein Algorithmus ersetzen kann. Er bildet sich laufend fort, verfolgt Neuerscheinungen und stellt sein Sortiment für Jung und Alt bewusst zusammen. Statt möglichst viel ins Regal zu stellen, will er das Richtige für seine Kunden finden. Besonders am Herzen liegt ihm die Literatur aus dem eigenen Land. Eine eigene Burgenland-Ecke gibt heimischen Autoren Platz und Sichtbarkeit. „Ich will die Neugier aufs Buch wecken“, sagt er. Das versucht er auch außerhalb seiner Buchhandlung.
Egal was, Hauptsache die Leute lesen.
Jürgen Pokorny
Gemeinsam mit der AK-Bücherei Oberwart organisiert er Veranstaltungen und bringt Autoren mit ihrem Publikum zusammen. Die Bibliothek sieht er keineswegs als Konkurrenz. „Die Bibliothek ist nicht der Feind der Buchhandlung.“ Wer von Büchern begeistert werde, greife irgendwann auch selbst zu und kaufe eines. Genau darum geht es Pokorny: Menschen zum Lesen zu bringen. Ob Krimi, Kinderbuch, Roman oder heimische Literatur, ist zweitrangig. „Egal was, Hauptsache die Leute lesen.“
Oscar für den besten Buchhändler Österreichs
Dass dieses Rezept funktioniert, zeigte der Österreichische Buchhandlungspreis, den Pokorny vor vier Jahren als erster Buchhändler des Burgenlandes erhielt. Bis heute ist er der einzige im Land. Und auch nach 120 Jahren will er vor allem eines: Menschen neugierig auf Bücher machen.
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