Seit 1918 fertig der Familienbetrieb „Meier Bürsten“ Besen und Pinsel an. Jetzt hält Gerhard Duchac das sterbende Handwerk am Leben. Im Interview gibt er Einblicke in seine Arbeit.
„Krone“: Wie sind Sie zum Bürstenmachen gekommen?
Gerhard Duchac: Geplant war das nicht. Durch meine Lebensgefährtin habe ich meinen Schwiegervater Norbert Meier kennengelernt, den letzten Bürstenmacher Wiens. Ich habe ein paar Mal bei ihm ausgeholfen. Die Arbeit mit den Händen hat mich fasziniert. Studiert habe ich Betriebswirtschaftslehre. Trotzdem habe ich den zweiten Bildungsweg eingeschlagen und das Handwerk gelernt, vom Meister persönlich. Im November 2024 habe ich die Werkstatt übernommen.
Was war seither die größte Herausforderung?
Daraus wieder ein funktionierendes Geschäftsmodell zu machen. Herr Meier hat den Betrieb nebenbei in der Pension geführt, ich muss davon leben. Ich habe die Werkstatt auf Vordermann gebracht und einen Werksverkauf eingeführt – und das trägt Gott sei Dank Früchte.
Was unterscheidet Ihre Bürsten von Industrie-Ware?
Ein regionales, handgemachtes Stück hat einen ganz anderen Wert als etwas Gesichtsloses, das im Container aus China kommt. Es geht um Qualität und um die Rohstoffe. Ein Rosshaarbesen aus dem Handel ist immer eine Mischung aus Rosshaar und Kunststoff. Bei mir ist er zu 100 Prozent aus Rosshaar. Das macht einen Unterschied: Kunststoff wirbelt beim Zusammenkehren den Staub auf, Rosshaar bindet ihn. Den Unterschied sieht der Kunde, sobald er die Bürste verwendet.
Wie lange brauchen Sie für eine Bürste?
Für eine Gemüsebürste rund eine halbe Stunde. An anderen Bürsten arbeite ich tagelang. Wir machen welche, die über einen Meter lang sind. Da greifen viele Arbeitsschritte ineinander.
Wird es nach Ihnen noch einen Bürstenmacher in Wien geben?
Das wird schwierig. Das Handwerk ist anstrengend, ich habe auch schwere körperliche Arbeit. Hätte ich nicht zufällig vorbeigeschaut, hätte Herr Meier wohl zugesperrt. Derzeit trägt das Geschäft noch keinen Mitarbeiter. Wenn es einmal mehr Arbeit gibt, würde ich gerne jemanden ausbilden.
Warum interessiert junge Menschen de Beruf nicht?
Weil kaum jemand weiß, dass er existiert. Wenn sich ein Jugendlicher überlegt, welche Lehre er macht, hat er fünf Berufe im Kopf. Wir sind die Nische in der Nische.
Wie steht es um Ihre Branche in Österreich?
Es geht bergab. Erst im Vorjahr hat wieder ein Betrieb zugesperrt. Heute gibt es in Österreich nur eine Handvoll. Als Kleiner wird man zwischen den Großen zerrieben.
Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?
Wenn ich das Leuchten im Augen der Kunden sehe und weiß: Er schätzt, wie viel Arbeit drinsteckt. Und wenn er wiederkommt und es weitererzählt, ist das die beste Bestätigung.
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