Lissabon: Mit der Kunst des Portugiesen Pedro Cabrita Reis feiert das MAAT, „Museum für Kunst, Architektur und Technologie“, seinen zehnten Geburtstag.
Ob er jetzt katholisch geworden sei? Haben Freunde Pedro Cabrita Reis angesichts seiner jüngsten Arbeiten gefragt. „Nein, ich bin nicht einmal gläubig, geschweige denn katholisch“, entgegnet einer der bekannteste Künstler Portugals. „Einem Maler ist kein Thema verboten“, sagt er und hat sich in seinen neuen Bildern mit der abendländischen Kunstgeschichte auseinandergesetzt. Und die ist stark von der Kirche geprägt.
Also steht als ein zentrales Werk das Triptychon „Adam und Eva (überarbeitet)“ in der imposant weitläufigen Ausstellungshalle des MAAT, des vor zehn Jahren eröffneten „Museums für Kunst, Architektur und Technologie“. Darauf schält sich Eva aus dem Rot des Malgrundes – diesmal jedoch auf der rechten, der starken Seite, die sonst Adam gehört. Die westliche Kultur liest nämlich traditionell von links nach rechts.
In den einzigen Arbeiten der Schau „without sorrow of heart“ („Ohne Kummer im Herzen“), die nicht rezent entstanden sind, setzt Reis auf Collage und Mischtechnik. In Anspielung auf Leoncavallos Oper nennt er die Serie „Ridi Pagliaccio“. Darin hinterfragt er sich selbstironisch und skurril humorig. Der Wiener denkt davor auch bald an Arnulf Rainer und Aktionismus.
Zurück in die Welt der christlichen Ikonografie führen dann stark abstrahierte Selbstbildnisse, die sich an Dürers Selbstdarstellung als Christus anlehnen, oder drei imposante Doppel-Pietàs. Umspielt werden sie von einer subtilen, seriellen Auseinandersetzung mit Monets Seerosen, die einmal mehr die überzeugenden malerischen Qualitäten des 1956 geborenen Portugiesen zeigen.
Sie bespielen eine der zwei um ein zentrales Oval ansteigenden Rampen des von der Britin Amanda Levete entworfenen und 2017 eröffneten Ausstellungsgebäudes. Einem Ufo gleich ist es am Ufer des Tejo, an dem Lissabon liegt, gelandet. Es bildet den neueren Teil des 2016 von der Kulturstiftung des Energiekonzerns EDP auf einem 38.000 Quadratmeter großen Campus im historischen Stadtteil Belém eröffneten Kunstareals.
Der andere MAAT-Teil ist der Backsteinbau eines Wärmekraftwerks von 1908, das als prachtvolles Industriedenkmal auch stimmiger Ausstellungsraum für Zeitgenössisches mit Fokus auf die portugiesische Kunst der Sammlung der EDP-Stiftung ist. In Zeiten, in denen man sich in Wien – Stichwort Bank Austria Kunstforum – von wichtigen Institutionen verabschieden muss, freut man sich doppelt über so großartige privat finanzierte Projekte und wünscht weitere tolle zehn Jahre!
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