Zu klein, wenig schön

Apfelernte: „Sollten einen Teil verrecken lassen!“

Burgenland
29.09.2026 07:00

Neben der Steiermark und Niederösterreich gehört das Burgenland zu den bedeutendsten Apfelanbauregionen Österreichs. Doch heuer fällt die Ernte deutlich magerer aus: Viele Äpfel sind kleiner als sonst. Und so mancher schmackhafte Apfel schafft es wegen kleiner Schönheitsfehler gar nicht erst in den Handel. 

Der Apfel gilt als Lieblingsobst der Österreicher. 142.000 Tonnen werden jährlich verputzt; das sind rund 16 Kilo pro Kopf. Die heurige Ernte läuft – je nach Witterung – noch bis Ende Oktober bzw. Anfang November, doch schon jetzt ist fix: Sie wird aufgrund von Frost und Trockenheit deutlich geringer ausfallen als 2025. „Die Obstbauern rechnen mit einem Minus von 30 Prozent“, heißt es aus der burgenländischen Landwirtschaftskammer.

Fallbeispiel 1: Der Apfel aus Intensivkulturen
Auch Obstbaupräsident Johann Plemenschits prognostiziert ein „problematisches Jahr“. Seine Söhne Johannes und Peter bewirtschaften mit ihm und seiner Frau in Klostermarienberg auf 20 Hektar Intensivobstkulturen. Neben Birnen, Kirschen, Marillen, Pfirsichen und Zwetschken spielt der Apfelanbau eine wichtige Rolle.

„Wir führen die Sorten Gala, Golden Delicious, Granny Smith, Elstar, Jonagold, Kanzi, Evelina und Fuji und haben aufgrund der langen, extremen Hitze bewässert, um das Fruchtwachstum zu fördern. Dennoch sind die Früchte kleiner als sonst. Etliche sind auch gerissen und haben zu faulen begonnen“, so Plemenschits.

Ein Viertel der „Gala“-Äpfel – sie sind schon fertig geerntet – sei zudem wegen Wespenfraß, Stängelrissen und Ohrwurmbefall als Tafelware ungeeignet und daher gleich in die Industrie gewandert, wo sie nun zu Saft, Mus oder getrockneten Apfelringen weiterverarbeitet werden.

Die heurige Apfelernte hat einen bitteren Beigeschmack.
Die heurige Apfelernte hat einen bitteren Beigeschmack.(Bild: Reinhard Judt)

So könnten Obstbauern überlebensfähig bleiben
„Damit ein Apfel im Handel als Tafelware durchgeht, muss er einen Mindestdurchmesser von 60 Millimeter und ein Mindestgewicht von 90 Gramm aufweisen. Der Zielgrößenwunsch liegt sogar bei 75 Millimeter. Das bedeutet: 15 bis 35 Prozent sind also vorneweg nur mit hohem Preisnachlass zu verkaufen“, sagt Plemenschits.

Ob es Obstbauern helfen würde, die strengen Normen zu verändern? „Nein. Es gibt bereits drei Qualitätsklassen. Solange Konsumenten jedoch genießbare Äpfel mit Schalenbeschädigungen oder Fehlern bei Form und Färbung ablehnen, gibt es für diese Äpfel keinen Markt.“ Den finanziellen Schaden hätten dann die Obstbauern, wie die Endabrechnung der Ernte 2025 verdeutlicht, die seit Kurzem bekannt sei: 

Zitat Icon

Im Vorjahr bekamen wir 55 Cent pro Kilo – ein Preis, der vor dem Hintergrund der Produktionskosten weit unter dem eigentlichen Wert von 65 Cent pro Kilo lag.

Obstbaupräsident Johann Plemenschits

Damit Obstbauern in schlechten Jahren wie dem heurigen wettbewerbs- und überlebensfähig bleiben können, würden attraktive Verkaufsaktionen helfen, die der Handel mit Produzenten akkordiert: „In Frankreich ist das gerade der Fall. Da werden auch Äpfel verkauft, die optisch nicht verkauft sind.“

„Der Markt ist kein Sozialinstitut“
Diese Strategie funktioniere aber nicht in Überschussjahren: „Da sollten sich in Wahrheit alle Obstproduzenten zusammenschließen und – so brutal es klingt – einen gewissen Teil der Ernte verrecken lassen. Nur dann käme ein Preis zustande, der uns alle überlebensfähig hält. Der Markt ist kein Sozialinstitut und fragt nicht nach Ausgleich.“

Die magere Ernte dürfte preistreibend wirken, allerdings nicht automatisch und nicht bei jedem ...
Die magere Ernte dürfte preistreibend wirken, allerdings nicht automatisch und nicht bei jedem Apfel.(Bild: Christian Schulter)

Fallbeispiel 2: Streuobstäpfel 
Auch bei Äpfeln von Streuobstwiesen schaut es vielerorts nicht besser aus. Zwar können ältere Bäume mit tiefreichenden Wurzelsystemen auch längere Trockenperioden besser überstehen. Doch bei zunehmender Hitze und fehlenden Niederschlägen geraten auch sie an ihre Grenzen. Außerdem gibt es noch viele andere Einflussfaktoren, die Obstbauern nicht in der Hand haben. „Etwa den Frost und Hagel im Mai oder den Schädlingsbefall durch Ohrwürmer“, sagt etwa Jürgen Seldte vom „Sonnenhof Seldte“ in Stinatz. Er bewirtschaftet 17 Hektar und rechnet mit Einbußen von 40 Prozent. 

„Die Früchte sind viel kleiner und leichter als sonst. Daher lassen sich auch nur geringere Mengen zu Säften weiterverarbeiten. Zum Glück haben wir Äpfel auf Lager. Sollte 2027 so werden wie das heurige Jahr, ist unser Puffer allerdings verbraucht. Wir sind ein Familienbetrieb und müssten dann Obst zukaufen. Ob sich das rentiert, ist fraglich.“

Jürgen Seldte vom Apfelverarbeitungsbetrieb „Sonnenhof Seldte“ in Stinatz. Er hat das ...
Jürgen Seldte vom Apfelverarbeitungsbetrieb „Sonnenhof Seldte“ in Stinatz. Er hat das Unternehmen bereits als 15-Jähriger gegründet.(Bild: Christian Schulter)

Ob es Lösungen für die Zukunft gibt? 
„Die Landwirtschaft kann das Wetter nicht ändern. Aber wir bereiten uns jetzt schon auf geänderte Bedingungen vor. Deshalb unterstützen wir unsere Betriebe dabei, mit den zunehmenden Wetterextremen umgehen zu können. Denn die Produktion heimischer Lebensmittel wird gerade unter diesen Bedingungen immer wichtiger“, erklärt Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich. Entscheidend werde ein Bündel an Maßnahmen sein – „von der Auswahl geeigneter Sorten und Unterlagen über Bodenpflege und Humusaufbau bis hin zu effizientem Wassermanagement, wirkungsvollem Pflanzenschutz und Versicherungen gegen zunehmende Wetterrisiken.

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