Hitler glorifiziert

Gefängnisstrafe für jugendlichen Neonazi

Vorarlberg
25.03.2026 05:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Er bedrohte einen türkischen Zellengenossen, verherrlichte Hitler und posierte unter anderem in Uniform und mit Hitlergruß auf einem Video: Am Landesgericht Feldkirch wurde ein 17-jähriger Vorarlberger am Dienstag zu einem Jahr Haft verurteilt.

Laut seinem Verteidiger solle es sich lediglich um Akte „der Rebellion“ gehandelt haben, der Angeklagte selbst spricht von „Spaß“. Die Staatsanwaltschaft ortet hingegen einen klaren Fall von nationalsozialistischer Wiederbetätigung und einen Verstoß gegen das Verbotsgesetz.

Angeklagt ist das einschlägig vorbestrafte Früchtchen wegen mehrerer Verbrechen und Vergehen im Zeitraum Oktober 2024 bis Dezember vergangenen Jahres. So fotografierte er seinen Freund und dessen Mutter beim Demonstrieren des Hitlergrußes. Auf einem Video tanzt er in Kampfanzug-Montur mit seinem rechten Kumpel und einer gleichgesinnten Freundin und zeigt dabei den Hitlergruß. Das Video stellt er später auf TikTok. Den Freund will er kennengelernt haben, als er 14 war. „Als ich 15 war und unsteten Aufenthaltes, wohnte ich eine Weile bei seiner Familie.“ Doch nicht er, sondern sie seien Neonazis gewesen. Um ihnen zu imponieren, habe er einfach mitgemacht, so der heute 17-Jährige.

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Nur das mit den Autobahnen hat er gut gemacht.

Der 17-Jährige hält Hitler ansonsten für „uncool“.

Auch im Gefängnis für Ärger gesorgt
Seit neun Monaten sitzt der Jugendliche nun schon im Gefängnis. Teils in U-, teils in Strafhaft. Wohlverhalten hat er sich auch dort nicht. So ritzte er in die Zellenwand ein Hakenkreuz, verherrlichte Hitler gegenüber einem türkischen Zellengenossen und hielt diesem eine Zeichnung mit dem Konterfei „des Führers“ und eine weitere mit einem Hakenkreuz unter die Nase. Als sich ein Mithäftling immer wieder an seinen Toiletteartikeln vergriff, drohte er den Justizwachbeamten, den Zellgenossen zu töten, sollte dieser nicht verlegt werden. Kläglich scheiterte der Ausbruchsversuch aus dem Häfen mit einem Buttermesser, mit dem er die Gitterstäbe seiner Zelle aus dem Verputz schaben wollte.

Angeklagter will kein Neonazi sein
Zu all den Vorwürfen bekennt sich der Angeklagte schuldig, er bestreitet allerdings, ein Neonazi zu sein. Freilich hasse er „bestimmte Juden“ aus seiner ehemaligen Schule, weil diese ihm immer die Jause gestohlen hätten. Hitler selbst hält er für „uncool“. „Nur das mit den Autobahnen hat er gut gemacht.“

Auf die Frage des vorsitzenden Richters, wie sich der junge Mann seine Zukunft vorstelle, gibt der Verteidiger Einblicke in das bisher offenkundig traurige Leben seines Mandanten. Bis zu seinem dritten Lebensjahr habe dieser mit seinen zwei Geschwistern und den Eltern in einem Wohnmobil gelebt und massive Gewalt erlebt. Immer wieder seien die Kinder geschlagen worden, zudem hätten sie tagelang allein und ohne Essen ausharren müssen. Später ist der Angeklagte in Krisen- und Pflegefamilien untergekommen, zuletzt war er auf sich allein gestellt. Trotz dieser erschütternden Vergangenheit bleibt Fakt, dass sich der Jugendliche mehrerer Verbrechen und Vergehen schuldig gemacht hat. Das rechtskräftige Urteil: ein Jahr Haft.

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