In seiner aktuellen Kolumne blickt Bestsellerautor Robert Schneider mit viel Humor und Ironie auf vergangene Zeiten zurück, als der Gang zur Bank noch eine Sache des Vertrauens war. Amüsant und treffsicher schildert er, wie moderne Bürokratie, ständiger Personalwechsel und Digitalkanäle den einfachen Alltagstest – Geld für einen neuen Trockner abzuheben – heute in ein absurdes Abenteuer verwandeln.
Als der Herr Notzl noch mein Bankberater war, fast dreißig Jahre lang, war alles unkomplizierter. Habe ihn unlängst vor dem Seniorenheim getroffen. Er saß auf einer Treppenstufe und schaute unentwegt in den Himmel. „Na, Herr Notzl, Sehnsucht nach der Ewigkeit?“, fragte ich. Er sah mich an und lachte. Wir haben immer miteinander gescherzt. Ich mochte ihn sehr. Auf die Bank zu gehen, war ein Vergnügen. Der Notzl kannte mich und ich ihn.
Seit er in der Rente ist, habe ich zwölf Kundenbetreuerinnen und -betreuer verschlissen. Junge Frauen und Männer mit verlogen säuselnder Stimme. Ich werde nicht mehr von einer Person beraten, sondern von vieren. Das sei einfacher für mich, denn dann sei immer jemand für mich da.
Ich habe gelernt, dass man Geld nur ausgeben soll, wenn es auch wirklich auf dem Konto liegt. Das war einmal. Jetzt muss man dafür kämpfen, dass man das Geld auch wieder von der Bank ausbezahlt bekommt.
Der Trockner ist in die Knie gegangen. Es ist natürlich Freitag, kurz vor zwölf. Brauche einen größeren Betrag, denn ich bezahle immer noch gerne in bar. Kann man manchmal ein wenig handeln. Samira (noch nie in meinem Leben gesehen) muss Rücksprache mit den vier Betreuern halten. Zeichnen und gegenzeichnen. Einer hat sich schon ins Wochenende vertschüsst, eine andere ist im Mutterschutz.
Nach langem Hin und Her und trotz gedecktem Konto, lässt sich Samira herbei, mir das Geld zu geben. Ich setze meinen Servus auf das Display. „Bitte leserlich“, sagt sie. „Aber das ist meine Unterschrift.“ – „Es ist nur zu Ihrer Sicherheit!“ Ich kritzle ROBERT in Großbuchstaben auf den Screen. Wie ein Erstklässler. Jetzt ist Samira hochzufrieden.
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