Das Burgenland ist ein Land der Pendler und damit von den hohen Spritkosten besonders betroffen. 75 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten außerhalb ihres Wohnortes – der höchste Anteil aller Bundesländer. Laut Mobilitätsorganisation VCÖ wird im Burgenland pro Monat rund 51 Liter Benzin bzw. 70 Liter Diesel getankt. Kein Wunder, dass bei den aktuellen Preisen die Wogen bei den Autofahrern hochgehen. Ein „Krone“-Lokalaugenschein.
Dieser Kanzler zeigt uns, wie billiger tanken geht“, titelte vor kurzem die deutsche „Bild“-Zeitung in Anspielung auf Österreichs neue Spritpreisbremse, die am 1. Oktober in Kraft treten, zwei Monate lang gelten und den Literpreis nochmals um 12 Cent senken soll. Dass unsere deutschen Nachbarn ÖVP-Regierungschef Christian Stocker dafür Rosen streuen, verstehen die Burgenländer nicht.
„Meine Schmerzgrenze beim Sprit ist schon lange überschritten! Als Pensionistin muss ich sparen. Deshalb tanke ich nur noch alle zwei Monate und vermeide lange Fahrten. Einkäufe erledige ich teilweise mit dem Fahrrad“, stöhnt etwa Christine Föbel aus Zagersdorf. Gerlinde Schindler aus St. Margarethen gibt ihr Recht: „Für Menschen, die täglich aufs Auto angewiesen sind, sind die Preise eine Katastrophe! Viele werden ärmer und die Mineralölkonzerne immer reicher. Vor allem die Jungen tun mir leid.“ Eine Studentin, die neben ihr tankt, nickt zustimmend.
Ist Maßnahme der Bundesregierung nur eine Augenauswischerei?
„An der Misere ist auch die Politik schuld. Die Bundesregierung könnte Steuern reduzieren. Denn wenn Spritpreise erhöht werden, fließen auch mehr Steuern in die Staatskasse“, meint Manuela Böhm aus Schützen am Gebirge. Damit schlägt sie in die selbe Kerbe wie SPÖ-Landesgeschäftsführer und Pendlerforum-Obmann Kevin Friedl. Er fordert „die sofortige, temporäre Aussetzung der CO2-Steuer auf Treibstoffe – „und zwar so lange, bis die Spritpreise wieder deutlich gesunken sind. Sonst bleibt die Spritpreisbremse nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Manuela Böhm und ihr Mann haben bereits ihre beiden Diesel-Fahrzeuge verkauft und sind auf Hybridwägen umgestiegen: „Steigen jedoch die Literpreise bei Benzin auch noch über zwei Euro, wäre das ein Witz!“
Das Land der Pendler leidet besonders
Sabine Schnedl aus Oggau und ihr Sohn sind schon jetzt fast ausschließlich mit dem Elektro-Auto ihres Mannes unterwegs: „Eine Bekannte von uns pendelte bisher aufgrund der Arbeit täglich nach Wien. Nun ist sie arbeitslos, erspart sich den Sprit und hat am Monatsende mehr Geld als zuvor.“
Gottfried Pingitzer, er arbeitet in einer Schule, muss hingegen in den sauren Apfel beißen. Mehrmals wöchentlich tuckert er mit seinem Diesel-Auto aus Apetlon nach Eisenstadt und legt für diese Strecke zwischen 480 und 600 Kilometer zurück. Damit ist er nicht der einzige Burgenländer: Mehr als 102.000 Menschen pendeln täglich innerhalb des Burgenlands oder in benachbarte Bundesländer und fahren durchschnittlich 54 Kilometer pro Tag – großteils mit dem Auto. „Selbst beim Auftanken bei der Diskonttankstelle zahle ich mindestens 130 Euro. Sich zu ärgern, bringt nichts. Auf Busse umsteigen geht nicht, das wäre eine Odyssee. Und mit der Bahn oder dem Bast bin ich nicht flexibel“, sagt Pingitzer.
Und was meint Gastronom und „Tanktourist“ Laszlo Nickl aus Sopron zur hitzigen Debatte? „In Ungarn sind die Spritpreise noch höher. Selbst wenn der Diesel-Preis in Österreich auf drei Euro steigt, muss ich da durch. Ich muss ja zur Arbeit! Mein Trost: Mit dem österreichischen Kraftstoff kann ich zumindest 180 Kilometer mehr fahren als mit dem ungarischen. Und wenn Autofahren eines Tages gar nicht mehr leistbar sein sollte, kaufe ich mir ein Pferd“, witzelt er.
Weitaus wirksamer ist die Spritverbrauchsbremse
Das ist durchaus eine Überlegung wert, denn laut Mobilitätsorganisation VCÖ bringt die neue Spritpreisbremse lediglich eine Ersparnis von sechs Euro bei Benzinern und knapp neun Euro bei Diesel-Pkws. „Effektiver ist spritsparendes Fahren. Bei einer Reduktion des Verbrauchs um 20 Prozent beträgt die Ersparnis pro Benzin-Pkw 20 Euro und pro Diesel-Pkw sogar 31 Euro. Das ist (mehr als) dreimal so viel wie die Ersparnis durch die Spritpreisbremse“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Preisreduzierend wirke nicht nur „Tempo 110 statt 130 auf der Autobahn“ sowie vorausschauendes und niedertouriges Fahren, sondern auch das Bilden von Fahrgemeinschaften. „Beim Beschleunigen und im Stop-and-Go-Verehr ist der Verbrauch indes am höchsten. Spritfresser sind auch Dachboxen, eine zu stark eingestellte Klimaanlage, zu wenig Reifendruck und das Laufenlassen des Motors im Stehen.“
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