Ballerina außer Dienst

Rebecca Horner: „Jede Krankheit ist ein Weckruf“

Burgenland
24.09.2026 11:00

Die ehemalige Primaballerina der Wiener Staatsoper tanzt am 30. September bei der „Pink Ribbon“-Benefizgala in Eisenstadt für das Leben. Die „Krone“ sprach schon vorab mit ihr über die Diagnose Brustkrebs, psychischen Druck und den Weg in ein bewusstes und freieres Leben.  

Rebecca Horner (37) war bereits als Kind ein kleiner Star. Mit sechs Jahren drehte sie mit Otto Schenk „Mein Opa ist der Beste“, mit acht beeindruckte sie beim „Kiddy Contest“, mit zehn wurde sie Elevin an der Ballettschule der Wiener Staatsoper, wo sie schließlich zur Primaballerina avancierte. Für ihre außergewöhnlichen Leistungen wurde sie 2019 sogar mit dem begehrten Fanny-Elßler-Ring ausgezeichnet, dem weiblichen Äquivalent zum berühmten Iffland-Ring für Schauspieler.

Rebecca Horner als bezaubernde „Samantha“ 1996, also vor 30 Jahren, mit ihrem Filmopa Otto ...
Rebecca Horner als bezaubernde „Samantha“ 1996, also vor 30 Jahren, mit ihrem Filmopa Otto Schenk alias „Franz Sedlak“ in der Komödie „Mein Opa ist der Beste“.(Bild: United Archives / kpa, via www.imago-images.de)

Am 30. September tritt die dreifache Mutter mit ihrem aus Moskau stammenden Lebensgefährten Andrey Kaydanovskiy, dem Choreografen des Neujahrskonzerts 2027, bei der „Pink Ribbon“-Benefizgala im Schloss Esterházy in Eisenstadt auf – mit einem bewegenden Solostück und einem Duett, das sie selbst inszeniert hat. „Ich engagiere mich für die Brustkrebs-Kampagne, weil ein Familienmitglied selbst am Mammakarzinom erkrankt ist und zum Glück geheilt wurde. Und, weil es auch beim Tanzen um Körper, Stärke und Verletzlichkeit geht. Mit einem Tanz kann man einfühlsam von den intensiven Gefühlen erzählen, die einen nach einer Diagnose begleiten“, sagt Horner.

Rebecca Horner bringt Schwung in die heimische Tanzszene.
Rebecca Horner bringt Schwung in die heimische Tanzszene.(Bild: Raphael Just)

„Ich war physisch und psychisch am Ende“
Dass viele Frauen sich selbst ausbeuten und Körper und Seele oft zu viel abverlangen – Stichwort Mehrfachbelastung – sei ein ernst zu nehmendes Problem. Irgendwann räche sich mangelnde Selbstfürsorge. Und dann komme der Tag, an dem man einen Knoten in der Brust feststellt. „Jede Krankheit ist ein Weckruf, dass man sein Leben ändern sollte“, meint die Wienerin und erzählt von ihrer eigenen Leidensgeschichte. An der Oper habe sie täglich gehört, „nicht gut genug zu sein“ und noch härter trainieren zu müssen: „Ich überging pausenlos meine Grenzen, ignorierte Schmerzen – aus Angst, aufgrund des Konkurrenzkampfes ausgewechselt zu werden.“

Mit Andrey Kaydanovskiy, ihrem Lebensgefährten und Vater ihrer drei Kinder. Auch er ist ...
Mit Andrey Kaydanovskiy, ihrem Lebensgefährten und Vater ihrer drei Kinder. Auch er ist Ballettänzer und Choreograf.(Bild: Emma Hartvig)

„Ich fühlte mich nur noch gefangen“
Erste Hilferufe des Körpers gab es schon, bevor sie ein Burnout und Depressionen ausfasste. Doch anstatt auf ihre innere Stimme zu hören, quälte Horner sich weiter und flüchtete erst in die Karenz und dann für eine Saison in die Niederlande, um Abstand von den Diktaten ihrer Chefs zu gewinnen. Aber auch in Den Haag zwang man sie, sich im wahrsten Sinne des Wortes „zu verbiegen“. Erst als sie ein Hornhautleiden bekam und auf einem Auge plötzlich nichts mehr sah, aber dennoch erkannte, dass sie endlich für sich einstehen muss, kündigte sie.

Mit ihrer Rasselbande: den Töchtern Ruby (15) und Romy (8) und Söhnchen Vincent (3)
Mit ihrer Rasselbande: den Töchtern Ruby (15) und Romy (8) und Söhnchen Vincent (3)(Bild: Rebecca Horner/Facebook)

„Das war Ende des Vorjahres. Seither arbeite ich als freischaffende Choreografin und leite mit meinem Partner ,tanzt.’, ein Kollektiv für zeitgenössischen Tanz. Ich bin unendlich froh, den Schritt in ein achtsames, selbstbestimmtes Leben gewagt zu haben. Diese Kernbotschaft will ich auch dem Publikum bei der Benefiz-Gala vermitteln“, so Horner.

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