Drohschreiben verfasst

Deutsches Inkassobüro zockt Vorarlberger ab

Vorarlberg
23.09.2026 11:24
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Beim Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg gehen aktuell zahlreiche Notrufe wegen einer neuen Betrugsmasche ein. Betroffene berichten von aggressiven Mahnschreiben eines deutschen Inkassobüros mit kurzfristigen Zahlungsfristen, angedrohten Gerichtsverfahren und hohen Zusatzkosten. Dahinter steht eine dubiose Firma aus Hongkong.

Täglich melden sich Vorarlbergerinnen und Vorarlberger bei den Experten der Arbeiterkammer, weil sie Zahlungsaufforderungen vom deutschen Inkassobüro „Culpa Inkasso GmbH“ erhalten. Im Auftrag der „Margot Brands Limited“, einem fragwürdigen Unternehmen aus Hongkong, fordert dieses völlig unberechtigt Geldbeträge in unterschiedlicher Höhe ein.

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Der Absender nutzt die Angst der Menschen vor dem Gericht gezielt aus. Manche der Betroffenen melden sich völlig verzweifelt bei uns.

AK-Konsumentenschützer Franz Valandro

Einsatz von Psychotricks
Die Schreiben setzen gezielt auf Psychotricks: Aggressive Formulierungen wie „unsere Geduld ist am Ende“ erzeugen bei den Betroffenen akuten Handlungsdruck, während angefügte Paragrafen und Registerdaten – etwa der Hinweis auf die Registrierung beim deutschen Bundesamt für Justiz – behördliche Autorität vortäuschen. „Der Absender nutzt die Angst der Menschen vor dem Gericht gezielt aus. Manche der Betroffenen melden sich völlig verzweifelt bei uns“, berichtet AK-Konsumentenschützer Franz Valandro. „Unser dringender Rat in diesen Fällen ist, sich von den Fristen, Drohungen und Stempeln nicht beirren zu lassen. Wer keinen Vertrag geschlossen hat, muss auch nichts zahlen. Punkt.“

Inkoasso-Abzocke: Was die Arbeiterkammer rät

    1. Kein Geld überweisen auf unberechtigte Forderungen.
    2. Dem Inkassobüro sowie dem Rechnungssteller einmalig nachweisbar mitteilen, dass kein kostenpflichtiger Vertrag besteht.
    3. Alle Rechnungen, E-Mails und Mahnschreiben als Beweismittel aufbewahren.
    4. Unterlagen an den Konsumentenschutz der AK Vorarlberg zur rechtlichen Überprüfung übermitteln.

Gesetzliche Lücke in Deutschland als „Einfallstor“
Dass dubiose Firmen aus Hongkong auf ein deutsches Inkassobüro setzen, liegt an einer Gesetzeslücke. Während in Österreich für Inkassoinstitute strenge Standesregeln gelten, die das Betreiben offensichtlich unberechtigter Forderungen verbieten, reicht in Deutschland eine formale Registrierung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz. Eine inhaltliche Prüfung der Forderungen findet dort nicht statt.

AK-Boss Heinzle: „Treiben einen Riegel vorschieben“
AK-Präsident Bernhard sieht folglich dringenden Handlungsbedarf: „Es ist inakzeptabel, dass staatlich registrierte Inkassobüros als Handlanger für unseriöse Firmen agieren und risikofrei an der Verunsicherung der Bevölkerung verdienen. Der Gesetzgeber in Deutschland muss diesem Treiben umgehend einen Riegel vorschieben.“ Speziell für Aufträge aus Nicht-EU-Ländern brauche es strenge Haftungsregeln, wer wiederholt unrechtmäßig Geld für dubiose Firmen eintreibe, müsse zudem seine Zulassung verlieren.

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