Am Dienstag startete die UVP-Verhandlung zum umstrittenen Kraftwerk des Unternehmens Rondo Ganahl in Frastanz (Vorarlberg). Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Die Fronten sind derweil verhärtet.
Das Vorarlberger Unternehmen Rondo Ganahl ist auf die Herstellung von Wellpappe-Verpackungen spezialisiert und beschäftigt insgesamt rund 1800 Mitarbeiter, einen Gutteil davon im Stammwerk in Frastanz. In den vergangenen Jahren pendelte der Jahresumsatz zwischen 550 und 630 Millionen Euro. Die Herstellung der Verpackungen ist sehr energieintensiv, es wundert also nicht, dass Rondo Ganahl der größte Gasverbraucher in Vorarlberg ist. Angesichts der steigenden Gaspreise aufgrund der bekannten geopolitischen Verwerfungen möchte das Unternehmen von fossilen Energieträgern unabhängiger werden. Zu diesem Zwecke will man auf dem Betriebsgelände in Frastanz ein hochmodernes Kraftwerk bauen, welches auf dem Prinzip einer sogenannten KWK-Anlage (KWK: Kraft-Wärme-Koppelung) beruht und sowohl Wärme als auch elektrische Energie erzeugen kann.
soll das firmeneigene Kraftwerk von Rondo Ganahl in Frastanz kosten. Ziel des auf Verpackungen spezialisierten Unternehmens ist es, sich von der Abhängigkeit von Erdgas zu lösen.
Ziel ist es, rund 140 Gigawattstunden thermische und in etwa 60 Gigawattstunden elektrische Energie im Jahr zu produzieren. Diese soll vor allem für die Produktion genutzt werden, zudem sollen mit der gewonnenen Wärme auch Gebäude in der Umgebung beheizt werden. Die Kosten für das Großprojekt liegen aktuell bei rund 110 Millionen Euro, im Idealfall könnte das Kraftwerk innerhalb von zwei Jahren errichtet werden. Zusammengefasst: Ein heimisches Unternehmen will jede Menge Geld in die Hand nehmen, um sich von fossilen Energieträgern zu lösen, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und so letztlich auch den Standort abzusichern. Klingt doch gut, oder?
Massive Ängste wegen „Müllverbrennung“
Doch wer glaubt, dass das Vorhaben von allen Seiten beklatscht wird, irrt. Seit Monaten formiert sich der Widerstand, die Bedenken sind massiv. Die Kritik wird vor allem durch die Funktionsweise sowie die Dimension des Kraftwerks befeuert: Denn die Energie wird über die Verbrennung von Reststoffen gewonnen. Geplant ist, rund 82.000 Tonnen Material im Jahr zu verbrennen. Davon sollen in etwa 12.000 Tonnen aus der eigenen Produktion kommen, der große Rest müsste in Form von – unbedenklichen – Reststoffen, Ersatzbrennstoffen und Biomasse extern zugeführt werden. Theoretisch könnten sich die Menge noch erhöhen, da die Maximalkapazität der Anlage auf 122.000 Tonnen im Jahr ausgelegt ist.
Skepsis auch bei der Gemeindevertretung
Die Kraftwerksgegner befürchten folglich einen regelrechten Mülltourismus, inklusive einer Zunahme des Schwerverkehrs. Zudem hegen viele Bewohner der Region die Angst, dass Umweltgifte austreten könnten. Die Projektbetreiber argumentieren indes damit, dass die besagten Reststoffe aktuell ohnehin durch Vorarlberg gekarrt würden, um sie letztlich in der Schweiz zu verbrennen. Des Weiteren würden die Emissionen mittels modernster Technik gereinigt, eine Verschmutzung der Luft sei auszuschließen.
Unverhofften Rückenwind erhielten die Bedenkenträger im April diesen Jahres, als die Frastanzer Gemeindevertretung völlig überraschend gegen die Kraftwerkspläne stimmte, begründet wurde diese vor allem mit der Reststoffmenge. Das Veto bedeutet zwar keineswegs das Aus für das Projekt, die Hürden sind allerdings definitiv höher geworden. Beim derzeit laufenden Verfahren hat die Gemeinde Frastanz nämlich eine Parteistellung – und kann sich so zu Gutachten und Ergebnissen äußern. Sollte das UVP-Verfahren positiv ausfallen, könnte die Gemeinde die Umsetzung mit einer Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht verhindern.
Keine gemeinsame Gesprächsbasis mehr
Während die Projektbetreiber am Anfang noch aktiv das Gespräch mit den Kritikern gesucht haben, ist das Tischtuch mittlerweile komplett zerschnitten. Grund dafür sind nicht zuletzt KI-generierte Schockbilder, welche von der Bürgerinitiative „S.O.S. Walgau“ verbreitet wurden, um Stimmung gegen das Vorhaben zu machen. Auf den Sujets waren unter anderem Landschaften wie nach einer Apokalypse zu sehen, auf einem Bild wedelten gierige Kapitalisten fröhlich mit Geldscheinen, während sich hinter ihnen Müllberge auftürmten und Kraftwerksschlote rauchten. Bei Rondo Ganahl fand man das verständlicherweise gar nicht lustig: „Die martialische Sprache und die plakativen und überzogenen KI-Darstellungen erinnern an Propaganda. Wer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung übernimmt, sollte informieren statt polarisieren“, hieß es damals von der Geschäftsführung, die den Dialog mit den Gegnern daraufhin aufgrund „anhaltender Falschbehauptungen“ einstellte.
UVP-Bescheid wohl noch in diesem Jahr
Trotz des aufgeheizten Klimas geht das Verfahren unterdessen weiter. Am Dienstag startete die öffentliche mündliche Verhandlung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung, am Mittwoch soll sie – bei Bedarf – fortgesetzt werden. Nach der UVP-Verhandlung entscheidet die zuständige Behörde, also das Land, über die Genehmigung des Projekts und gegebenenfalls über entsprechende Auflagen. Der diesbezügliche Bescheid dürfte noch heuer ausgestellt werden.
Causa ist längst zum Politikum geworden
Angesichts der verhärteten Fronten ist davon auszugehen, dass die Causa noch länger hohe Wellen schlagen wird. Auch, weil sie längst zum Politikum geworden ist. So haben sich die Grünen klar gegen das Projekt positioniert. Klubobmann Daniel Zadra begrüßt zwar die Tatsache, dass sich Rondo Ganahl aus den fossilen Fesseln lösen will, der eingeschlagene Weg sei aber falsch: „Es kann nicht sein, dass ein Einzelunternehmen ein derart großes Energie- und Abfallverbrennungsprojekt gegen die Interessen der Bevölkerung und der Standortgemeinde durchdrückt. Die öffentliche Hand muss mehrheitlich beteiligt sein.“
Diese Haltung stößt wiederum bei der Industriellenvereinigung auf Kopfschütteln: „Auf Bundesebene fordern die Grünen eine gesetzliche Festschreibung der Klimaneutralität bis 2040. Gleichzeitig bekämpfen sie in Vorarlberg eines der größten Projekte zur Reduktion fossiler Energien“, echauffiert sich IV-Präsident Elmar Hartmann.
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