Oper Zürich

Eine Zauberflöte mit viel „Geflatter“

Vorarlberg
22.09.2026 19:30
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Bei Mozarts „Zauberflöte“ am Opernhaus Zürich wird nicht nur Stimmakrobatik verlangt, auch echte Artisten sind zu bestaunen. Dafür fehlte es der Aufführung an Tiefe.

Der gebürtige Bayer Matthias Schulz lässt das zweite Jahr seiner Intendanz am Opernhaus Zürich unkonventionell angehen. Ein offenes Haus über vierundzwanzig Stunden erlaubte am Freitag von 22 Uhr weg jeder und jedem, im Opernhaus zu verweilen, zu sehen und zu hören, auch die ganze Nacht durch. Sogar dort zu schlafen war möglich, und das auf der Bühne. Am Sonntag schließlich gab es die Eröffnungspremiere mit Mozarts deutscher Oper „Die Zauberflöte“ – und auch diese Neuinszenierung zeigte sich entspannt. Das Team um den Tessiner Regisseur und Choreografen Daniele Finzi Pasca inszenierte neben vielen Opernproduktionen auch Großveranstaltungen wie die Eröffnungen der Olympischen Spiele in Turin und Sotschi.

Auf der Bühne wurde viel getanzt und geflattert, auf subtilere Stilelemente ist weitgehend ...
Auf der Bühne wurde viel getanzt und geflattert, auf subtilere Stilelemente ist weitgehend verzichtet worden.(Bild: Herwig Prammer)

Spektakel statt feiner Nuancen
Das färbte auf ihre Deutung der „Zauberflöte“ ab, die das meiste, was über diese vielschichtige letzte Oper Mozart schon gesagt und geschrieben wurde, beiseitestellte. Kein Gut und Böse, keine Welt der Finsternis im Gegensatz zum Licht, wenig Eingehen auf die reiche Klangrhetorik der Musik und kaum eine Zeichnung der Charaktere, dafür aber viel Glamour, Show und Akrobatik. Fast ständig ist eine Gruppe Tänzer beziehungsweise Artisten in Vogelkostümen auf der Bühne, und auch die drei Knaben reiten auf Vögeln. Papageno ist der größte Vogel von allen, was den trefflichen Bariton Yannick Debus in seiner Beweglichkeit einschränkt. Das viele Flattern ist nett, aber wenig sinnstiftend und nutzt sich im Laufe des Abends etwas ab.

Überzeugendes Gesangsensemble
Kaum ein Wunsch bleibt offen auf der Seite der Sänger: Ob Magnus Dietrich als dynamisch differenzierender Tamino, Jasmin Delfs als brillante Königin der Nacht, ob die wunderbar harmonierenden „Drei Damen“ Hannah McKay, Karima El Demerdasch und Dominika Stefanska oder den Sarastro mit angenehmer Natürlichkeit von Tobias Kehrer, sie alle und ihre anderen Kollegen erfüllen höchste Ansprüche. Eigens zu nennen ist Regula Mühlemann als Pamina, die einem nicht nur bei der Feuer- und Wasserprobe mit ihrem Herzenston zu Tränen rührt. Und alle Sympathien des Publikums haben die blitzsauber intonierenden „Drei Knaben“ vom Tölzer Knabenchor.

Ein wenig wie Harnoncourt
Die musikalische Gesamtleitung hat der erst 26-jährige finnische Shootingstar Tarmo Peltokoski inne. Er weiß zu schätzen, dass er hier in Zürich am selben Pult steht wie einst der legendäre Nikolaus Harnoncourt, und es scheint, dass er einige besondere Tempoentscheidungen von ihm übernommen hat, etwa das betont langsame Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“. Somit hat Zürich jetzt, nach den beiden recht provokanten „Zauberflöten“ von Martin Kušej (2007) und Tatjana Gürbaca (2014) wieder eine familienfreundliche, aber auch oberflächliche Produktion der wohl beliebtesten Oper überhaupt.

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