„Krone“-Kolumnist Robert Schneider widmet sich heute einem Mann, dessen Namen zwar nur wenige kennen, dessen Verse aber zum allgemeinen Kulturgut zählen: dem Kirchenlieddichter Paul Gerhardt.
Vielleicht sagt Ihnen der Name wenig, aber die Zeile „Nun ruhen alle Wälder“ haben Sie bestimmt schon einmal gehört. 2026 jährt sich der 350. Todestag jenes Mannes, der zum bedeutendsten Kirchenlieddichter deutscher Zunge geworden ist – Paul Gerhardt (1607 bis 1676).
Gerhardt war Zeitzeuge des Dreißigjährigen Kriegs, dem ein Drittel der gesamten deutschen Bevölkerung zum Opfer fiel. Er hätte vermutlich allen Grund gehabt, am Leben zu verzweifeln. Stattdessen brachte er die Welt zum Singen. Ausgerechnet er, der früh verwaist war, schrieb: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Sein Sommerlied lässt Lerchen emporsteigen und Bäume grünen. Für Paul Gerhardt war Dichtung ein Gegenentwurf zur allgegenwärtigen Verzweiflung. In seiner Lyrik stellte er der Ohnmacht die Freude entgegen, wider besseren Wissens.
Er studierte in Wittenberg Theologie, arbeitete als Hauslehrer in Berlin und wurde 1651 Diakon an der Berliner Nicolaikirche. Vier seiner fünf Kinder starben, 1668 auch seine Frau Anna Maria. Im Streit mit dem reformierten Kurfürsten verweigerte der überzeugte Lutheraner die Anerkennung kirchlicher Edikte und verlor daraufhin sein Berliner Amt.
Seine ikonisch gewordenen Verse sind in den Sprachschatz der deutschen Kultur eingegangen. „Befiehl du deine Wege“ vertraut die Sorge einer höheren Hand an. „Nun ruhen alle Wälder“ schenkt dem Abend Geborgenheit, ohne den Tod auszublenden. „Ich steh an deiner Krippen hier“ macht aus Weihnachten ein Zwiegespräch der verzagten Seele mit einem Neugeborenen.
Aber sein berühmtester Text bleibt wohl „O Haupt voll Blut und Wunden“, den Johann Sebastian Bach in so unvergleichlicher Weise in Musik gesetzt hat.
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