Razzien in der Türkei

150 Menschen bei LGBTQ-Protest festgenommen

Ausland
15.09.2026 23:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Zuge einer landesweiten Kampagne gegen die LGBTQ-Gemeinschaft gehen die türkischen Behörden zunehmend rigoroser gegen Mitglieder der Community vor. Am Dienstag sind bei einer Regenbogen-Demonstration in Istanbul mindestens 150 Personen festgenommen worden.

Die Demonstranten hatten laut Augenzeugen vor dem Caglayan-Gerichtsgebäude gegen die jüngsten Maßnahmen der Behörden gegen LGBTQ-Gruppen protestiert. Die Polizei hinderte die Gruppe daran, eine Erklärung zu verlesen. Die Teilnehmer riefen Parolen wie „Es lebe das Leben trotz des Hasses“, während die Einsatzkräfte einschritten.

Regierung begründet Vorgehen mit „Schutz der Familien“
Unter dem Namen „Meine Familie ist sicher“ gehen die Behörden in mehreren Provinzen gegen LGBTQ-Organisationen vor. Nach Angaben der Regierung soll die Initiative Kinder und Familienwerte schützen. Justizminister Akin Gurlek teilte am Sonntag mit, dass sich die Ermittlungen gegen 162 Verdächtige, neun Vereine und 13 Unternehmen in 15 Provinzen richteten.

Im Video unten sehen Sie die Durchsuchung der Räumlichkeiten einer LGBTQ-Organisation durch die türkische Polizei:

Zugang zu Websites und Kanälen gesperrt
Am Montag ordnete ein Gericht in der westtürkischen Provinz Izmir für 16 Personen Untersuchungshaft an. Am Wochenende waren zudem mindestens 26 Menschen in Istanbul und 21 in Ankara festgenommen sowie Büros von LGBTQ-Vereinen durchsucht worden. Neben den Festnahmen sperrten die Behörden den Zugang zu Websites und Kanälen in den sozialen Medien von Organisationen und unabhängigen Medien, darunter das X-Konto der türkischen Sektion von Amnesty International.

Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O‘Flaherty, zeigte sich am Dienstag besorgt über die Festnahmen, Razzien und Online-Einschränkungen. Verweise auf „Familienwerte“ oder den „Schutz von Kindern“ könnten Einschränkungen der Menschenrechte nicht rechtfertigen. O‘Flaherty forderte die Freilassung aller Personen, die wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte oder die Zivilgesellschaft festgehalten würden.

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