Drei Tagen nach dem Drohnenangriff auf einen Passagierzug auf einer Strecke, die von Kiew nach Warschau führt und auf der am Sonntag kurz vor der Attacke ein Zug mit den ehemaligen Regierungschefs Boris Johnson (Großbritannien) und Carl Bildt (Schweden) unterwegs war, warnt nun Russland westliche Politiker und Diplomaten vor Reisen in das Kriegsland. Sie sollten die Risiken „nüchtern“ abwägen, mahnte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa am Dienstag.
Sacharowa erklärte, Bahnhöfe und die Transportinfrastruktur für das ukrainische Militär seien legitime Ziele. Russland habe ausländische Diplomaten im Mai aufgefordert, Kiew wegen der Angriffe auf Rüstungsbetriebe zu verlassen. Gleichzeitig wird dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj der Vorwurf gemacht, westliche Politiker als „menschliche Schutzschilde“ zu missbrauchen.
Johnson: „Gebt den Ukrainern endlich, was sie brauchen“
Johnson, der auch nach seinem Ausscheiden aus dem Premiersamt seine persönliche Unterstützung für Selenskyj und die ukrainische Kriegsführung sehr öffentlich pflegt, appellierte nach dem Drohnenangriff an die westlichen Verbündeten, den Ukrainern „endlich zu geben, was sie brauchen und auch verdienen“. Damit meinte der Brite eine Verstärkung der Luftabwehrkapazitäten des Kriegslandes.
„Diese willkürlichen und sinnlosen Angriffe müssen die Ukrainer Tag für Tag erdulden – auch auf zivilen Bahnstrecken“, zeigte sich Johnson auf der Kurznachrichtenplattform X entsetzt. Bildt teilte auf X Aufnahmen, die die Evakuierung ihrer Zuggarnitur zeigen. „Das war nicht unser Zug, sondern einer nur wenige Minuten nach unserem am Grenzübergang“, schrieb der schwedische Ex-Premier.
Polen verstärkt Grenzposten
Den betroffenen Grenzübergang Jahodyn und mehrere weitere will die polnische Regierung nun stärker befestigen. „Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, dass Russlands Vorgehen die Sicherheit ganz Europas gefährdet“, teilte Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf X mit. Pioniere der polnischen Armee sollen nun die Grenzposten mit sogenannten Hesco-Barrieren verstärken, wie das Oberkommando auf X mitteilte. Dies sind vom Militär verwendete Körbe aus Metall und Kunststofffolie, die mit Sand gefüllt werden. Außerdem sollen in der Nähe der Grenzübergänge Dorohusk, Medyka und Korczowa zusätzliche Beobachtungs- und Wachposten gebaut werden.
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