Die vielen Gesichter der Selina Heindl: Der Kinofilm „Frankenstein Fragment“ feiert Ende September Weltpremiere, derzeit steht die Schauspielerin für „Blinde Kuh“ vor der Kamera. Die 29-Jährige hat in der „Krone“-Redaktion vorbeigeschaut.
Als kinderloser Redakteur im fortgeschrittenen Alter hat man freilich Respekt vor Menschen, die ohne Vierteltelefon, Jogging-High und Stempelmarken groß geworden sind. Was fragen? Ehe nach „wie geht’s so?“ das Eis unwiderruflich gebrochen ist, lassen wir Selina Heindl reden und hören aufmerksam zu. Ein echt spannender Typ, krass, sagt man heutzutage.
Selina Heindl wuchs in Markt St. Martin auf und besuchte Schulen in Stoob und Steinberg-Dörfl. Sie absolvierte einen Kurs in Kindergartenpädagogik, begann eine Friseur-Lehre und legte die Meisterprüfung für Gastro und Hotellerie ab. Nachdem sie zwei Jahre lang den elterlichen Betrieb mit Tankstelle, Café und Heurigen geführt hatte, studierte Heindl Sozialpädagogik und betreute eineinhalb Jahre lang Jugendliche in einer WG. Nach drei Jahren Unterricht an der Schauspielschule Krauss ist sie „staatlich anerkannte Schauspielerin“.
Die Frau wohnt in Wien und ist nach Eisenstadt gekommen, um mit der „Krone“ zu sprechen. Sitzen wir in zehn Jahren in Hollywood in einer Bar, die der Agent ausgesucht hat? Nach mehrmaliger Anfrage, nach Tausenden Vertröstungen? Wo das Mineral-Zitron 49,90 Euro kostet? „Wünschen würde ich mir das schon“, sagt Selina Heindl, „aber nur, was das internationale Business betrifft. Wo ich herkomme, was ich bin, das wird sich niemals ändern. Versprochen!“
Eine Rolle mit zwei verschiedenen Sprachen
Der großen Öffentlichkeit bekannt wurde das Gesicht der Burgenländerin im „Eierkratz-Komplott“, wo sie an der Seite von Thomas Stipsits „eine große“ Nebenrolle spielt, in der sie zwei Facetten ihres Repertoires offenbart: Einerseits die gelangweilte Tochter eines Elektrohändlers, die tagsüber im Laden Batterien verkauft, ohne dass jemals wer das Geschäft betritt; und abends die nervige Influencerin, die plötzlich Hochdeutsch spricht, wenn es online um „Klicks“ geht, „Sechs Drehtage. Jeder hat Spaß gemacht. Thomas war total nett, wir haben viel improvisiert.“ Und die Joints? „Ich rauche nicht. Das waren Teeblätter. Ich musste wochenlang üben, dass ich nicht huste.“
Phänomen Stummfilm: Eine Frage des Ausdrucks
Im Gegensatz zu manchen Schauspiel-Kolleginnen, deren ewiger Gesichtsausdruck sich jenem von ägyptischen Totenmasken annähert, scheint Selina Heindl vielschichtiger zu sein. Apropos: In „Schnell ermittelt“ war die Burgenländerin bereits zu sehen, ebenso in „Die Fälle der Gerti B.“. Eine Episode von „Soko Linz“ ist bereits abgedreht. Am 30. September steht im Filmcasino Wien die Weltpremiere von „Frankenstein Fragment“ an, wo Heindl die weibliche Hauptrolle spielt. Sicher nicht jedermanns Sache, Kult-Regisseur Norbert Pfaffenbichler, vor dem die Amerikaner auf die Knie fallen, hat einen Stummfilm im Stile der 1920er-Jahre ins Leben gerufen: Schwarz-Weiß, ohne Untertitel, nur mit Musikuntermalung. „Ich war vor jedem Take zwei Stunden in der Maske“, sagt Heindl, die das Werk in seiner Gesamtheit bei der Uraufführung sehen wird. „Als Schauspielerin bekommt man am Set ja nicht wirklich was mit.“
Der Traum von der historischen Soldatin
Angesichts der Tatsache, dass die 29-Jährige einen Schuh in der Tür zu haben scheint: Wie geht’s weiter? Wird sie in diesem österreichischen Sud mitschwimmen, in dem sich gewisse Ostrowskis, Strausse, Palfraders tummeln, ohne die kein Film mehr möglich scheint? „Es ist mir eine Ehre, wenn ich aufgrund meiner Fähigkeiten zur Darstellung verpflichtet werde“, sagt Heindl, die sich ein Ziel gesetzt hat: Eine Soldatin in einem internationalen Film zu spielen. Einem historischen. Sie kann reiten, fechten, schießen. „Ich habe einen Waffenschein.“ Nein. Es geht hier nicht ums Abknallen von Tieren. „Als Sportschützin habe ich nur Zielscheiben im Visier.“
Und dann geht sie. Hat sie noch gehört, dass sie bleiben soll, wie sie ist?
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