Bald in Politpension?

Umstrittener Stadtchef gibt Amt demnächst ab

Niederösterreich
13.09.2026 07:00

Kein Geheimnis machte Andreas Ramharter daraus, dass er sein Amt nicht bis zum Ende der Legislaturperiode durchführen möchte. Nun macht er Ernst und kündigt seinen Rückzug noch vor seinem 65. Geburtstag an. 

Lange wurde es bereits gemunkelt, jetzt ist es fix. Andreas Ramharter, Bürgermeister in Leobersdorf im niederösterreichischen Bezirk Baden kündigte am Samstag im Zuge einer Kindergarteneröffnung seinen Rücktritt an. In den nächsten Wochen werde er sein Amt zurücklegen, meinte der langjährige Ortschef.

Immer wieder in Kritik wegen Grundstückswidmungen
Ramharter ist seit 2012 Bürgermeister in der knapp über 5000-Seelengemeinde. Zuvor war der Chef der Liste „Zukunft Leobersdorf“ bereits acht Jahre Vizebürgermeister. Bei der Gemeinderatswahl 2025 verlor er die absolute Mehrheit, seither verfügt seine Bürgerliste über elf von 29 Sitzen im Gemeinderat. Ramharter geriet immer wieder in Kritik, sich mit Grundstücksumwidmungen selbst Vorteile zu verschaffen. Vorwürfe, die er stets zurückwies.

ÖVP kündigte Arbeitsübereinkommen
Diese Woche dann der nächste Wirbel: Die ÖVP – sie hält ein Mandat im Gemeinderat – kündigte Ramharters Partei das bestehende Arbeitsübereinkommen auf. Grund dafür waren wieder geplante Umwidmungen. „Informationen dazu waren oft widersprüchlich, Zahlen und Fakten wurden immer wieder angepasst“, ärgert sich ÖVP-Parteiobmann Peter Bosetzky. Seine Stimme ist mit den drei Stimmen der FPÖ im Gemeinderat das Zünglein an der Waage, um über eine Mehrheit zu verfügen.

9 Hektar Grünland sollten nach Ramharters Wunsch in Bauland-Kerngebiet umgewidmet werden. Keine ...
9 Hektar Grünland sollten nach Ramharters Wunsch in Bauland-Kerngebiet umgewidmet werden. Keine der anderen Parteien möchte dem jedoch zustimmen.(Bild: ZVG Privat)

Auch FPÖ, SPÖ und die Liste „Leobersdorf Jetzt“ hätten dieser Umwidmung nicht zugestimmt. Sogar die NÖ Landesregierung wurde zu dieser heiklen Flächenumwidmung eingeschaltet. Laut ÖVP liegt die Stellungnahme dazu bereits im Rathaus auf. „Informiert darüber wurden wir bis heute nicht“, so Besetzky.

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In Zeiten wie diesen sollte man mit unserem Gut „Boden“ vernünftig umgehen.

ÖVP-Obmann Peter Bosetzky

FPÖ-Vizebürgermeister stünde für Bürgermeisteramt bereit
Vom offiziellen Rücktritt Ramharters an bis zur Wahl eines neuen Stadtchefs wird nun FPÖ-Vizebürgermeister Christian Pajer die Gemeindeagenden weiterführen. Der 63-jährige Oberst beim Militär wäre auch nicht abgeneigt, selbst Bürgermeister zu werden. Vom Rückzug Ramharters zeigt er sich nicht überrascht, jedoch vom Zeitpunkt.

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Sollte mich jemand zum Bürgermeister aufstellen, werde ich so arbeiten, dass jede Partei mit gleichem Gewicht behandelt wird.

FPÖ-Vizebürgermeister Christian Pajer

Wer wird tatsächlich Nachfolger?
Ramharter selbst bestätigt zwar seinen Rückzug, möchte dazu aber derzeit nicht mehr sagen. „Nachdem der interne Abstimmungsprozess noch läuft, möchte ich keine Erklärung dazu abgeben“, so der Noch-Bürgermeister zur „Krone“.

Für seine Nachfolge fällt immer wieder der Name des geschäftsführenden Gemeinderates Hermann Weiszbart – ebenfalls aus Ramharters Liste „Zukunft Leobersdorf“. Wer jedoch dann tatsächlich das Rennen machen wird, wird sich erst in den nächsten Wochen oder Monaten weisen. Denn alleine die elf Stimmen der Partei reichen nicht für eine Mehrheit aus.  

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