„Krone“-Kommentar

Ohne 9/11 kein Trump

Kolumnen
10.09.2026 20:00

Es gibt Schicksalstage, die sich so eingeprägt haben, dass man einander oft die Erinnerungsfrage stellt: „Wo warst du, als ...“ Als zum Beispiel Kennedy erschossen wurde. Oder als am 11. September 2001 die Flugzeuge in die New Yorker Zwillingstürme rasten.

Ich saß um 15 Uhr kurz vor Andruck der Abendausgabe bei den letzten Zeilen, nebenher lief stumm CNN, da schlug das erste Flugzeug ein. Das ignorierte ich in der Annahme: „Schon wieder so ein Clip eines neuen Hollywood-Reißers.“ Dann das zweite Flugzeug. Jetzt schlug es auch bei mir ein. Blitzartig konnten wir noch eine ganze Seite 1 machen unter dem Titel: „Terrorangriff auf Amerika“.

Analysiert für die „Krone“: Außenpolitik-Experte Kurt Seinitz
Analysiert für die „Krone“: Außenpolitik-Experte Kurt Seinitz(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

9/11 in New York (und auch Washington und Pennsylvania) war mehr als ein Terrorangriff. Es war die Kriegserklärung des erwachenden Dschihadismus an den Weltherrscher USA. Und die USA gingen in die Rache-Falle: Irak, Afghanistan; zwei verlorene Kriege. 9/11 war der Anfang vom Ende des amerikanischen Jahrhunderts.

Blinder Machteinsatz gegen blinde Fanatiker, die nichts zu verlieren haben. Die USA: imperiale Überdehnung, Verlust des Abschreckungspotenzials, völlige Entgleisung der Politik, Absturz in die Wahn-Welt eines Trump. Eine Supermacht zerlegt sich selbst – und die halbe Welt(wirtschaft) gleich mit.

Genauso wollten es die Dschihadisten haben: David gegen Goliath, Schwert gegen Atombombe.

Auf der Strecke blieb die Vernunft.

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