Sieg in Sachsen-Anhalt

Stasi, Pornos: Diese AfDler ziehen in Landtag ein

Außenpolitik
12.09.2026 20:00

Nach der Landtagswahl im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt sorgen nun die Lebensläufe von mehreren neu gewählten AfD-Abgeordneten für politischen Zündstoff. So sitzen etwa ein ehemaliger Stasi-Offizier, ein Ex-„Pornostar“ oder ein Mandatar mit Kokain-Vergangenheit für die Rechtsaußenpartei im künftigen Landtag. 

Mit 43,8 Prozent hat die AfD ein historisches Ergebnis eingefahren. Am Donnerstag kam die neue Fraktion mit 39 Abgeordneten (darunter nur zwei Frauen) zur ersten Fraktionssitzung im Landtag zusammen.

Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) steht an der Spitze, doch dahinter finden sich auch einige Abgeordnete, die in der Vergangenheit auffällig geworden sind.

Nach dem fulminanten Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt zieht die Rechtsaußenpartei mit 39 ...
Nach dem fulminanten Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt zieht die Rechtsaußenpartei mit 39 Abgeordneten in den Landtag ein. Manche Mandatare sind bereits in der Vergangenheit aufgefallen.(Bild: EPA/FILIP SINGER)

Dieb, Urkundenfälscher, Kokainsucht, Pornodarsteller
Ins Auge sticht etwa die Biografie von Phillipp-Anders Rau. Der 41-jährige AfDler warb im Wahlkampf mit „Sicherheit und Ordnung“, hat aber selbst eine kriminelle Vergangenheit. Im Jahr 2009 wurde er zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, weil er in einem Hotel unter anderem 100 Handtücher gestohlen hatte.

2017 wurde er erneut zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er sich an der Hochschule Magdeburg-Stendal einen Studienplatz erschlichen hatte. Statt seiner angegebenen 1,0 hatte er einen Abiturschnitt von 3,5 erreicht. In dem Prozess gab er an, zu der Zeit wegen einer Kokainsucht nicht zurechnungsfähig gewesen zu sein.

Auch sonst sorgte Rau immer wieder für Aufmerksamkeit, etwa weil er Medienberichten zufolge an Pornoproduktionen mitgewirkt haben soll oder weil er 2024 ein Foto von sich mit dem US-Präsidenten auf Instagram postete, wobei er angab, der erste AfD-Politiker zu sein, „der Trump die Hand schüttelte“ (siehe Posting oben).

Ex-Stasi-Vergangenheit
Auch nicht ohne: Mit Frank-Ronald Bischoff zieht ein früherer Stasi-Offizier für die AfD in den Landtag ein. Bereits 2017 hatte die „Bild“-Zeitung über die Stasi-Vergangenheit des 78-Jährigen berichtet, als er in den Bundestag einziehen wollte. Ende April äußerten sogar mehrere AfD-Mitglieder den Vorwurf, dass sich Bischoff seine Nominierung als Direktkandidat zur Landtagswahl unrechtmäßig gesichert haben könnte.

Zitat Icon

Es ist nur schwer erträglich, wenn ein ehemaliger hauptamtlicher Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes künftig das Land Sachsen-Anhalt repräsentiert.

Johannes Beleites, Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Er soll seinen Herausforderern Jobs angeboten haben, um Stimmen zu gewinnen. Kurz vor der Landtagswahl hatte Sachsen-Anhalts Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Bischoff zum Verzicht auf die Kandidatur aufgefordert.

Ein User auf X veröffentlichte eine Liste der zehn auffälligsten AfD-Politiker, die im künftigen Landtag von Sachsen-Anhalt sitzen:

Mutmaßliche Unterstützer der verbotenen „Artgemeinschaft“
Neu im Landtag sind auch die AfD-Politiker Simon Lansmann und Sebastian Koch. Gegen beide ermittelt aktuell die Staatsanwaltschaft. Bei beiden gab es Ende August 2026 im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen mutmaßliche Unterstützer der rechtsextremen Vereinigung „Artgemeinschaft“ Hausdurchsuchungen.

Die Gruppierung wurde 2023 vom deutschen Bundesinnenministerium verboten. Sie wurde dabei als „sektenartige, zutiefst rassistische und antisemitische Vereinigung“ bezeichnet. Über Koch heißt es, dieser falle seit 2012 konstant in rechtsextremistischen Zusammenhängen auf und nehme an einer Vielzahl von Veranstaltungen wie Heldengedenken, Kranzniederlegungen oder Konzerten der neonazistischen Szene teil.

Nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl steht insbesondere der Begriff der „Remigration“ im ...
Nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl steht insbesondere der Begriff der „Remigration“ im Fokus der öffentlichen Debatte.(Bild: EPA/CLEMENS BILAN)

„Fremdenfeindliche Agitation“
Andere neu in den Landtag einziehende AfD-Abgeordnete werden wiederum im aktuellen Landesverfassungsschutzbericht namentlich genannt – darunter auch Spitzenpersonal der Partei. Die AfD wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt bekanntlich als rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. So werden der stellvertretende Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider und der Co-Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner im Zusammenhang mit „fremdenfeindlicher Agitation“ genannt. 

Mehrfach reisten AfD-Politiker in den vergangenen Jahren auch nach Russland, was auch zu Kritik im Landtag geführt hatte. Unter anderem Tillschneider. In Landtagsbüro des 48-Jährigen entdeckten „Bild“-Reporter kurz vor der Wahl eine Tasse der russischen Armee. Nach eigenen Angaben schreibt Tillschneider zudem unentgeltlich Kolumnen für die Moskauer Zeitung „Wedomosti“.

Hans-Thomas Tillschneider (48) gilt als einer der einflussreichsten AfD-Politiker in ...
Hans-Thomas Tillschneider (48) gilt als einer der einflussreichsten AfD-Politiker in Sachsen-Anhalt.(Bild: AFP/RONNY HARTMANN)

Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt dürfte schwierig werden
Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte am Sonntag die Landtagswahl mit 43,8 Prozent der Stimmen klar gewonnen und damit ihren Anteil gegenüber der Wahl von 2021 mehr als verdoppelt. Sie errang aber nicht die absolute Mehrheit. Die bisher regierende CDU erlitt heftige Stimmeneinbußen und kam nur noch auf 17,2 Prozent. Im Landtag sind zudem SPD, Grüne und Linke sowie erstmals das BSW vertreten, das als einzige Partei mit der AfD verhandeln möchte. Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden.

AfD-Verbotsverfahren? Kanzler Merz skeptisch
Unterdessen  hält die Diskussion über den Umgang mit der AfD weiter an. Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte seine Ablehnung eines AfD-Verbotsverfahrens und zeigte sich dahingehend „skeptisch“. Seine Priorität sei vielmehr „eine politische Auseinandersetzung“ mit der AfD und der Versuch, „die Wähler zurückzugewinnen für die politische Mitte, auch für die CDU“.

Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) äußerte sich zudem kritisch zu dem Begriff „Brandmauer“. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warnte, die AfD werde „die Demokratie zerstören, sobald sie die Möglichkeit hat“. Sie rief die Abgeordneten des Bundestags auf, einen Prüfantrag für ein AfD-Verbot auf den Weg zu bringen.

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