Kanzler Merz verärgert

Trump jubelt über AfD: „Ein wirklich großer Abend“

Außenpolitik
09.09.2026 17:08
Porträt von krone.at
Von krone.at

Auch in Washington ist das Polit-Beben im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt registriert worden. Zwei Tage nach dem Wahlsieg der Alternative für Deutschland hat US-Präsident Donald Trump den Wahlsonntag mit folgenden Worten kommentiert: „Wow! Die populistische Partei in Deutschland hatte gerade einen wirklich großen Abend.“

Zu folgendem Schluss gelangte der Staatschef, den AfD-Chefin nach dessen Wiedereinzug ins Weiße Haus als ihr Vorbild bezeichnet hatte, auf seiner Online-Plattform Truth Social: Die Wähler seien die „absolut schrecklichen Einwanderungsregeln und -vorschriften“ leid, die Deutschland so sehr geschadet hätten. In Anlehnung an seinen Slogan „Make America Great Again“ (MAGA) fügte Trump das auf Deutschland umgemünzte Akronym „MGGA“ – also „Make Germany Great Again“ – hinzu.

Ärger in Berlin: Telefonat zwischen Merz und Trump verschoben
Die deutsche Regierung reagierte verärgert. „Wir Deutschen entscheiden selbst, wie wir mit Migration umgehen, und auch, wen wir wählen“, wies der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD), laut dem „Tagesspiegel“ (Donnerstags-Ausgabe) die Äußerungen von Trump zurück. „Ratschläge aus dem Weißen Haus brauchen wir dabei nicht.“ Berlin verschob daraufhin ein Telefonat von Bundeskanzler Friedrich Merz mit Trump.

Die Karte zeigt die Wahlergebnisse der AfD bei den jüngsten Landtagswahlen in Deutschland sowie die Ergebnisse der EU-Parlamentswahl 2024 mit 15,9 % und der Bundestagswahl 2025 mit 20,8 %. In Sachsen-Anhalt erreicht die AfD 43,8 %, in Sachsen 30,6 % und in Thüringen 32,8 %. In westdeutschen Bundesländern liegen die Werte meist unter 20 %. Mehrere ostdeutsche Landesverbände werden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Quelle: bpb, tagesschau.de.

Bei dem ursprünglich für Mittwoch geplanten Telefonat von Merz und Trump sollte es nach Angaben von Regierungssprecher Stefan Kornelius um den 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September in den USA gehen. Einen Grund für die Absage nannte der Berliner Regierungssprecher nicht. Auch ein neuer Termin steht laut Kornelius bisher nicht fest. Eine solche Absage ist höchst ungewöhnlich.

Der Regierungssprecher wollte sich zwar nicht dazu äußern, ob die Absage etwas mit Trumps Stellungnahme für die laut Landesverfassungsschutz Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextreme AfD zu tun hat. Kornelius verwies aber auf Äußerungen des Kanzlers in der Vergangenheit: Merz habe in „abstrakter Weise“ schon häufig darauf hingewiesen, „dass Eingriffe oder Kommentierungen der deutschen innenpolitischen Situation besonders zu Wahlen“ für ihn „nicht infrage kommen“.

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